Umweltschutz im Onlinehandel: Nachhaltigkeit im eCommerce

0

Zum Einzelhändler in die nächste Stadt fahren? Oder doch lieber das Gewünschte per Klick im Internet bestellen? Der Onlinehandel boomt und gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Doch was ist mit der Nachhaltigkeit – bleibt die nicht auf der Strecke?

Kann Nachhaltigkeit den Umsatz fördern?

Nachhaltigkeit gilt als Trend der Zukunft und ist für viele Unternehmen inzwischen ein Thema, was zur Imagepflege eingesetzt wird. Dabei zahlt sich das Umweltbewusstsein auch monetär aus – rund fünf Prozent der Umsätze entfallen auf das nachhaltige Handeln, hat eine Studie von „facit research“ ergeben, außerdem wird dieses Ergebnis durch den Wertschöpfungsreport Nachhaltigkeit von Biesalski & Company unterstrichen.

Vor allem die Nahrungsmittelhersteller profitieren von einem konsequenten Umsetzen der Ansätze zur Nachhaltigkeit – gesunde Ernährung ist ein Thema, das alle angeht und interessiert. Inzwischen hat sich der eine oder andere sogar einem Kodex für nachhaltiges Handeln unterworfen, richtet sein gesamtes unternehmerisches Tun darauf aus. Vor allem im B2B-Bereich ist dies wichtig, denn der „Code of Conduct“ fördert das Vertrauen aller an einem Herstellungs- und Verkaufsprozess beteiligten Unternehmen untereinander.

Doch auch für die Endverbraucher spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle und achten rund 60 Prozent aller Käufer darauf, dass soziale und ökologische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden. Allerdings gibt es hier Einschränkungen: Nachhaltigkeit muss für rund 30 Prozent aller Käufer mit einem hohen Eigennutzen einhergehen. Das heißt, soziale und ökologische Rücksichtnahme ja – aber bitte nur, wenn damit kein hoher Kaufpreis verbunden ist.

Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, dass ein besonders guter Service höhere Preise wieder wettmacht oder dass die Gesundheitsverträglichkeit über Preisnachteile erhaben ist. Interessant: Für viele Kunden sind die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter im eBusiness von eher marginaler Bedeutung.

Video: Online-Handel: Boom auf Kosten der Umwelt? – BR Fernsehen

Kreative Lösungen zur Nachhaltigkeit im eCommerce sind gefragt

Viele eCommerce Unternehmen können bei ihren Kunden punkten, wenn sie besonders einfallsreiche Maßnahmen und Lösungen für einen nachhaltigen Versand oder eine gute Gestaltung des Sortiments finden. Kunden empfinden deutlich mehr Sympathie für einen Verkäufer bzw. einen Onlineshop, der einen ökologischen Versand seiner Produkte anbietet oder der die Aufbereitung sowie die Entsorgung nicht mehr benötigter Altwaren offeriert.

All das ist aber häufig mit Mehrkosten verbunden, welche wiederum nicht gern vom Kunden getragen werden wollen. Einige Onlineshops sind hier kreativ und bieten die „Umweltoption“ an – der Kunde kann damit freiwillig wählen, ob er auf eine bereits gebrauchte Verpackung für den Versand seiner Bestellung setzt oder ob es unbedingt ein neues Paket sein muss. Somit sind die Kunden nicht in eine Richtung gezwungen, sondern können sich freiwillig für den Umweltschutz entscheiden und somit Ressourcen schonen.

Nachhaltigkeit als Trend unserer Zeit

Noch sind es längst nicht alle Konsumenten, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit konsequent auseinandersetzen. Das ist im Onlinehandel nicht anders als im normalen Alltag. Das geht sogar soweit, dass viele Onlineshops, die sich nachhaltigen Grundsätzen konsequent verschrieben haben, noch nicht einmal bekannt sind. Doch es ist eindeutig ein Trend zu verzeichnen, der sich auf das nachhaltige Handeln konzentriert und bei dem zum Beispiel der ökologische Anbau von Nahrungsmitteln, die Nutzung von Rohstoffen oder die faire Bezahlung im Mittelpunkt steht.

Zunehmend werden Kaufentscheidungen davon beeinflusst, wie nachhaltige Aspekte umgesetzt werden. So gibt es Umfragen, die besagen, dass im Jahr 2011 rund sechs Prozent aller Verbraucher angaben, beim Einkaufen auch auf die Nachhaltigkeit zu achten. Im Jahr 2014 waren es elf Prozent. Gleichzeitig nahm die Zahl der Käufer, die nachhaltige Produkte eher zufällig kauften, deutlich ab: Ihr Anteil sank von 45 auf 34 Prozent.

Onlinehändler können – und sollten – den Trend für sich nutzen und sich nachhaltig aufstellen. Natürlich muss das auch nach außen hin kommuniziert werden, so lässt sich eine Vorreiterrolle in der Onlinewelt einnehmen. (#01)

Onlinehändler können – und sollten – den Trend für sich nutzen und sich nachhaltig aufstellen. Natürlich muss das auch nach außen hin kommuniziert werden, so lässt sich eine Vorreiterrolle in der Onlinewelt einnehmen. (#01)

Nachhaltigkeit im eCommerce als Chance

Onlinehändler können – und sollten – den Trend für sich nutzen und sich nachhaltig aufstellen. Natürlich muss das auch nach außen hin kommuniziert werden, so lässt sich eine Vorreiterrolle in der Onlinewelt einnehmen. Allerdings muss genau abgewägt werden, welche Informationen an den Kunden gegeben werden und welche nicht, denn Nachhaltigkeitsmaßnahmen, über die berichtet wird, müssen komplett wasserdicht und nachprüfbar sein. Außerdem sollten sie ständig überprüft werden, denn wenn sich eine Stelle ergibt, die nicht nachhaltig ist, aber als solche dargestellt wird, kann das schnell zu einem Skandal führen – der für das Image des Unternehmens ebenfalls nachhaltig sein dürfte. Am Ende ist es so, dass ein Nachhaltigkeitsskandal einen größeren Imageschaden für das Unternehmen bedeutet, als wenn es komplett auf derlei Maßnahmen verzichtet und sich nicht nachhaltig aufstellt.

Händler müssen indes beachten, dass der Preis immer eine Rolle spielt und Kunden wollen nicht zwingend einen hohen Aufschlag für nachhaltige Produkte zahlen, auch wenn sie diese gut finden und lieber auswählen würden. Je nach Warengruppe muss daher festgelegt werden, ob ein höherer Preis zum einen gerechtfertigt, zum anderen bezahlbar ist. Eine Formel gibt es hier nicht, denn wie hoch ein Preis ausfallen darf, liegt auch am Grundpreis des jeweiligen Produkts. Wo ein Produkt mit wenigen Cent behaftet sein kann, die mehr erhoben werden, darf es bei einem anderen ein höherer Betrag sein, der bis zu einigen Euro reicht oder prozentual vom Grundpreis zu berechnen ist.

Die Nachhaltigkeit stellt auch immer nur einen zusätzlichen Nutzen dar und wird nie allein für die Kaufentscheidung zugrunde gelegt werden. Ein nachhaltiges Produkt muss immer überzeugen und auch in puncto Qualität stimmen – ebenso, wie es bei einem nicht nachhaltigen Produkt der Fall ist.

Video: So sieht die E-Commerce Zukunft aus – TWT TV

Was sagen Kritiker?

Kritiker gehen davon aus, dass das eCommerce der Umwelt deutlichen Schaden zufügen würde. Denn der Einkäufer, der am Samstag losfährt und dabei zwar Benzin (oder Diesel) verbraucht und in jedem Fall Schadstoffe produziert, fährt nur einmal. Wer online shoppt, kauft hier und da, bestellt in einem dritten Shop und bekommt von überallher Pakete oder die Plastikbeutel, in denen viele Versandhändler Einzelstücke versenden. Außerdem muss der Paketzusteller oft nicht nur einmal das jeweilige Haus anfahren, sondern mehrfach, weil die Empfänger nicht erreichbar waren. Auch Rücksendungen belasten die Umwelt – wer im Laden kauft, nimmt nicht passende Kleidung oder Produkte, die Mängel haben, gar nicht erst mit.

Fakt ist, dass die Verpackungsindustrie eine steigende Nachfrage zu verzeichnen hat. Allerdings lässt sich nicht ganz exakt angeben, welche Schuld der Onlinehandel daran hat bzw. wie groß sein Anteil daran ist. Der Posten des eCommerce wird in der Verpackungsindustrie noch nicht separat erfasst, doch klar ist, dass der Bedarf vorhanden ist. Onlinehandel gilt als Motor der Zukunft, auch für die Verpackungswelt. Gleichzeitig ist der Anteil an Recyclingmaterial mit rund 75 Prozent aber sehr groß. Dieses Material muss erst einmal eingesammelt und zu einer zentralen Stelle gefahren werden, was wiederum eine erhöhte CO2-Emission bedeutet.

Viele Experten sind sich aber einig und sagen, dass der Onlinehandel keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt habe, auch wenn nachweislich der Verpackungsbedarf sowie die CO2-Emissionen gestiegen sind. (#02)

Viele Experten sind sich aber einig und sagen, dass der Onlinehandel keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt habe, auch wenn nachweislich der Verpackungsbedarf sowie die CO2-Emissionen gestiegen sind. (#02)

Keine Auswirkungen auf die Umwelt?

Viele Experten sind sich aber einig und sagen, dass der Onlinehandel keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt habe, auch wenn nachweislich der Verpackungsbedarf sowie die CO2-Emissionen gestiegen sind. Wissenschaftliche Studien besagen nämlich, dass das eCommerce sogar gut für die Umwelt sei, wenn einmal bedacht wird, wie große Strecken manche Menschen für einen Einkauf zurücklegen.

Diesen Studien zufolge sind die Emissionen beim Kauf im Einzelhandel sogar großer, weil die Menschen mehr und häufiger fahren. Es darf keineswegs nur der Wochenendeinkauf berücksichtigt werden. Wer zum Shoppen in die Stadt fährt, geht meist nicht nur in einem Laden einkaufen. Er fährt von hier aus in die nächste Einkaufsstraße, von dort aus in ein Center und geht vielleicht noch mittags essen – wieder woanders und wieder nur mit dem Auto erreichbar. Vor allem Menschen, die in ländlichen Gebieten wohnen und in die Stadt fahren müssen, sorgen für erhöhte CO2-Emissionen. Individuelle Fahrten erhöhen die Emissionen deutlich gegenüber den Lieferfahrten für Bestellungen aus dem Onlinehandel.

Außerdem müsse laut dieser Studie berücksichtigt werden, dass die Geschäfte des Einzelhandels deutlich mehr Emissionen verursachen. Sie brauchen mehr Platz, größere Gebäude, Räume für den Handel und mehr Personal. All das belastet die Umwelt mehr als die Verpackungsindustrie, ihr gestiegener Anteil innerhalb der Industrie und der Versand der bestellten Waren. Wichtig ist aber, dass die Warenströme im eCommerce kanalisiert werden und dass Lieferanten zum Beispiel eher Aufbewahrungssysteme für Pakete nutzen, wenn der Empfänger nicht erreichbar ist. So werden umweltschädliche Zweit- und Drittfahrten verhindert.

Des Weiteren müsse auf die Verbesserung der Situation im öffentlichen Personennahverkehr gesetzt werden. Denn wenn die Menschen keine Möglichkeit haben, mit Bus oder Bahn zum Einkaufen zu fahren, setzen sie logischerweise auf den eigenen Pkw und verursachen damit umweltschädliche Schadstoffausstöße. Der Handel muss außerdem versuchen, Retouren zu vermeiden. Viele Shops sind schon soweit, dass sie den Einkäufer extra darauf hinweisen, dass eine Retoure zusätzliche Fahrtwege verursacht und damit der Umwelt schadet. Das Problem ist nur, dass eine Neubestellung wegen nicht passender Kleidung das gleiche Maß an Emissionen verursachen würde – es gilt daher, im Einzelfall zu entscheiden und diese Entscheidung dem Kunden zu überlassen.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: BONNINSTUDIO -#01: Vintage Tone  -#02: Stokkete

Über 

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

Leave A Reply