Plastik im Hundefutter von Pedigree

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Für jedes Unternehmen besonders unangenehmen: wenn Produkt- bzw. Produktionsfehler nicht vom Hersteller selbst sondern vom Verbraucher bzw. Kunden bemerkt werden, sprich: ganz am Ende der Kette.
Plastik im Hundefutter: Öfter, als man denkt

So passierte es Anfang März 2016 im rheinhessischen Mommenheim. Dort fand eine Hundehalterin ein größeres, spitzes Plastikteil in einer Pedigree-Dose, zum Glück noch bevor sie ihrem Hund das Futter gab. Das Plastikstück hatte eine Länge von rund zwei Zentimetern und war anderthalb Zentimeter breit, der Hund hätte also sehr leicht daran ersticken und verenden können. Plastik-Funde in Hundefutter sind leider keine Seltenheit, immer wieder entdecken Hundehalter Rückstände wie Kunststoff oder auch Gummibänder in den Dosen, was entweder auf menschliches Fehlverhalten und Versagen oder technische Mängel bzw. defekte Anlagen zurückzuführen ist.

Vollsortimenter wären von Pedigree-Rückruf massiv betroffen

Für den Einzelhandel sind diese Vorfälle nicht automatisch damit verbunden, dass ganze Produktserien und- reihen bestimmter Mindesthaltbarkeitsdaten aus dem Sortiment genommen werden müssten. Der Grund: die Hersteller betonen – etwa bei Rückständen wie Gummi in den Dosen – gelegentlich, dass diese von den Scannern aufgrund der Dichte (das Gummi und das Futter sind für den Scanner quasi „dichtungs-identisch“), ohnehin nicht zu finden seien. Oder aber die Verunreinigungen beträfen nur einige wenige Produkte und kleine Chargen. Aufgrund der Sicherheitsgewährleistung und der Unmenge betroffener Ware, kommt es in vielen Fällen aber in der Folge natürlich und notwendigerweise zu Rückrufen.
Natürlich ist es auch für den Einzelhandel erst einmal mit viel Aufwand verbunden, die zurückgerufenen Artikel aus den Regalen zu nehmen. Von einer Pedigree-Rückrufkaktion wären zwar Discounter wie Aldi, Penny oder Norma ausgenommen gewesen, da diese die Marke Pedigree nicht führen. Anders sähe es jedoch bei den Vollsortimentern und natürlich unzähligen Tierbedarfs- und Tiernahrungs-Geschäften, wie z.B. Fressnapf, aus.

Fast 100 verschiedene Produkte in allen großen Supermärkten

Edeka, Kaufland, Rewe, Kaiser’s, Real, Tengelmann – in Deutschland führen alle großen Supermarktketten Pedigree-Produkte. Diese wären damit in erheblichem Maße von einer Rückrufaktion aufgrund von Plastik im Hundefutter, betroffen. Vor allem wenn man bedenkt, dass Pedigree fast 100 unterschiedliche Futter- und Nahrungsprodukte in seinem Sortiment hat – für jedes Hundealter, für jeden Bedarf und jegliche individuellen, geschmacklichen Vorlieben des Vierbeiners.

Und schließlich befinden sich von diesen Produkten sehr viele in den Regalen des Einzelhandels: von Futter für die „Junior“-Hunde mit Geflügel, Reis, Lamm oder Gelee über die Pedigree-Vital-und-Adult-Produkte mit Fischöl, drei Sorten Geflügel oder drei Sorten Reis bis hin zum „Pedigree-Seniors“-Futter, u.a. mit Huhn, Lamm, Geflügel oder Leber.

Ganz wichtig: Der Einzelhandel informiert sich uf bestimmten Seiten, ob es wieder ein Produkt mit Plastik auf dem Markt ist

Ganz wichtig: Der Einzelhandel informiert sich uf bestimmten Seiten, ob es wieder ein Produkt mit Plastik auf dem Markt ist (#01)

Um von Plastik im Hundefutter zu wissen: Einschlägige Websites wichtig

Der Einzelhandel kann sich aus allgemein zugänglichen Quellen sowie speziellen Webseiten darüber informieren, für welche Produkte und Waren welche Warn- und Sicherheitshinweise ausgegeben wurden. Dabei kommt es nicht immer gleich zum – aus Herstellersicht – Super-Gau: zum groß angelegten, aufwendigen Rückruf von Millionen von Produkten, die sich bereits in tausenden Läden, über ganz Deutschland verteilt, im Verkauf befinden.

Dennoch erhält der Einzelhandel, etwa auf den Seiten www.lebensmittelwarnung.de oder www.produktrueckrufe.de stets aktuelle Meldungen, amtliche Warnungen und Informationen „im Sinne des § 40 des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches“, wie es auf dem Portal lebensmittelwarnung.de heißt. Neben Infos über eine Rückrufaktion kann es sich auch schlicht um Hinweise auf eine Information der Öffentlichkeit handeln.
Denn es passiert monatlich viele Male und gehört für Verbraucher wie auch für den Einzelhandel fast schon zum Alltag: Meldungen von Herstellern, die aufgrund von Gesundheitsgefährdung Warnhinweise für ihre Lebensmittel herausgeben – oder gar ganze Chargen zurückrufen und einsammeln lassen.

So wie es beispielsweise das Süßwaren-Unternehmen Mars mit vielen Millionen seiner Schokoriegel zu Beginn des Jahres tun musste, da ein Verbraucher ein Plastikstück in seinem Riegel entdeckte. Betroffen von solchen Horrormeldungen sind immer wieder jedoch sehr viele, ganz unterschiedliche Produkte von den verschiedensten Herstellern: Plastik im Hundefutter, zu viel Blausäure in Aprikosenkernen oder Listerien in einer Rohwurst (alles tatsächliche Meldungen der letzten Zeit). Die Gefahr durch Verzehr liegt beim Verbraucher, der zeitliche, logistische und organisatorische Aufwand, etwa bei Rückholaktionen, bei den Supermärkten.

Durch ne Pressmitteilung, die natürlich von den jeweiligen Firmen verfasst werden, erfahren wir dann auch endlich, wenn ein Produkt Mängel aufweist

Durch ne Pressmitteilung, die natürlich von den jeweiligen Firmen verfasst werden, erfahren wir dann auch endlich, wenn ein Produkt Mängel aufweist (#02)

Unerlässliche Informationsquellen

Die Seiten erfassen alle einschlägigen, relevanten Informationen über Lebensmittel, die in den genannten Bundesländern entweder bereits bei den Supermärkten im Regal stehen oder im Internet zum Verkauf angeboten werden. Obwohl die Supermärkte bei Rückholaktionen oft durch das Krisenmanagement der jeweiligen Hersteller gesondert informiert werden, stellen diese Quellen für den Einzelhandel eine essentielle, unerlässliche Informationsquelle dar.
Der allmorgendliche Blick in diese Quellen bzw. auf diese Portale, gehört für jeden Filialleiter eines Supermarkts, egal ob Discounter oder großer Supermarkt, zu den ersten Arbeitsabläufen eines Tages.


Bildnachweis:© Fotolia- Titelbild:sonne_fleckl-#01:mpfphotography-#02: Zerbor

Marius Beilhammer

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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