Ladenbau als Umsatztreiber: So planen Händler ihren Store von Anfang an auf Verkaufserfolg

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Der stationäre Handel steht unter Druck: steigende Kosten, verändertes Kundenverhalten, starke Online-Konkurrenz. Gleichzeitig zeigen Zahlen des Handelsverband Deutschland (HDE), dass Kundinnen und Kunden nach wie vor gerne im Laden kaufen – wenn das Einkaufserlebnis stimmt. Genau hier wird Ladenbau zum Umsatztreiber: Ein durchdachtes Store-Design entscheidet mit darüber, wie lange Menschen im Geschäft bleiben, welche Wege sie gehen – und wie viel sie am Ende kaufen.

Im folgenden Ratgeber geht es nicht um allgemeine „Schönheitsfragen“, sondern um konkrete Stellschrauben im Ladenbau, mit denen Einzelhändler ihren Umsatz pro Quadratmeter gezielt verbessern können.

Kundenwege planen statt nur Regale zu stellen

Viele Geschäfte werden immer noch nach dem Prinzip „hier ist Platz, da stellen wir ein Regal hin“ eingerichtet. Effektiver ist es, den Kundenweg bewusst zu planen: Wo kommen Besucher hinein, wo bleiben sie zuerst stehen, wie bewegen sie sich durch den Raum?

Typische Hebel:

  • Bremsezone im Eingangsbereich, damit Kunden ankommen und sich orientieren können
  • Führungslinie durch den Laden (z. B. Bodenmarkierungen, Lichtführung, Möblierung)
  • Zielpunkte (Aktionsflächen, Thementische), die weiter in den Laden „ziehen“

Wer den Grundriss neu denkt, kann häufig ohne zusätzliche Fläche mehr Sichtkontakte pro Artikel erzeugen – und damit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Produkte im Warenkorb landen.

Aktuelle Trends im Ladenbau zeigen Aussteller auf der Weltleitmesse EuroShop des Einzelhandels vom 22. bis 26.02.2026 in Düsseldorf: Dort stehen Shopfitting und Store Design auf der Agenda bei der Frage „Wie stellen Sie sich das Geschäft von morgen vor?“.

Zonenbildung: Vom Schnellkäufer bis zum Stöberkunden

Nicht jede Kundin bewegt sich gleich durch den Store. Deshalb lohnt sich eine klare Zonenplanung:

  • Schnellkauf-Zone: Nähe Eingang/Kasse, für Produkte des täglichen Bedarfs oder Click-&-Collect
  • Inspirations-Zone: Themenwelten, fertige Outfits, Kombi-Angebote
  • Service-Zone: Beratung, Abholung, Reklamation, ggf. digitale Services

Digitale Elemente – etwa Instore-Tablets, QR-Codes oder digitale Regaletiketten – lassen sich gezielt in diese Zonen integrieren. Wie Händler so eine moderne Digitalisierung am Point of Sale Schritt für Schritt umsetzen, haben wir in diesem Artikel zu Digitalisierung am Point of Sale ausführlich beschrieben.

Wichtig: Jede Zone braucht ein klares Ziel (z. B. Up-Selling, Service, Frequenzbündelung). Ladenbau und Möblierung sollten dieses Ziel unterstützen – sonst verpufft die Wirkung.

Psychologie im Ladenbau: Blickachsen, Hotspots, Warendruck

Guter Ladenbau nutzt Erkenntnisse der Verkaufspsychologie. Drei Beispiele mit unmittelbarem Einfluss auf den Umsatz:

  1. Blickachsen: Wo landet der Blick beim Betreten? Wer zentrale Sichtachsen bewusst inszeniert, kann Premium- oder margenstarke Produkte stärker in Szene setzen.
  2. Hotspots: Enden von Regalen, Übergänge zwischen Gängen, Flächen vor der Kasse sind ideale Orte für Aktionsware oder Impulskäufe.
  3. Warendruck: Zu wenig Ware wirkt leer und unattraktiv, zu viel Ware überfordert. Die richtige Balance aus Fülle und Übersicht ist entscheidend, um Kaufanreize zu setzen, ohne zu „erschlagen“.

Solche Faktoren lassen sich nicht losgelöst vom Möbelsystem denken. Hier kommen spezialisierte Partner ins Spiel: Wer auf individuelle, verkaufspsychologisch optimierte Ladenbau-Konzepte setzt, erhält nicht nur ansprechende Möbel, sondern eine durchgeplante Customer Journey – vom ersten Blick in die Schaufensterfront bis zum Gang zur Kasse.

Modularität und Rollout-Fähigkeit: Ladenbau als Investition, nicht als Kostenblock

Gerade Filialisten stehen vor der Herausforderung, Ladenbau-Konzepte in mehreren Standorten umzusetzen und dennoch Raum für individuelle Anpassungen zu lassen. Hier zahlt sich ein modularer Ansatz aus:

  • Standardisierte Basiselemente (Regale, Wände, Präsentationstische), die sich flexibel kombinieren lassen, wie am Gondelkopf.
  • Austauschbare Fronten und Grafiken, um saisonale Kampagnen schnell auszurollen
  • Anpassbare Technik (Beleuchtung, digitale Screens), die sich zentral steuern lässt

Modularität reduziert nicht nur die Kosten pro Filiale, sondern verkürzt auch Umbauzeiten – ein wichtiger Punkt, da jeder Tag mit geschlossenem Laden direkte Umsatzverluste bedeutet. Aktuelle Marktdaten zeigen, dass Investitionen in effiziente Store-Modernisierung häufig schneller amortisiert sind, als Händler erwarten. Ein Überblick über relevante Kennzahlen findet sich etwa in aktuellen Studien zu Trends im Einzelhandel.

Licht, Materialien, Akustik: Atmosphäre als Kaufargument

Neben Funktionalität spielt Atmosphäre diese drei Faktoren eine zentrale Rolle:

  • Licht: Mix aus Grundbeleuchtung und Akzentlicht, angepasst an Warengruppe und Preispositionierung
  • Materialien: Holz, Metall, Glas oder Textilien erzeugen unterschiedliche Wertigkeits- und Stilassoziationen
  • Akustik: Geräuschpegel und Klangwelt beeinflussen die Verweildauer – von ruhiger Hintergrundmusik bis zur gezielten Dämpfung von Hall

Gerade im Mode-, Lifestyle- und Elektronikhandel entscheidet das Zusammenspiel dieser Elemente darüber, ob der Store als „inspirierend“ oder eher „anstrengend“ wahrgenommen wird. In unserem Ratgeber mit praktischen Tipps für Visual Merchandising zeigen wir, wie Händler mit einfachen Mitteln zusätzliche Verkaufsimpulse im bestehenden Ladenbau setzen können.

Messen, testen, nachjustieren

Ladenbau ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Wer ernsthaft an der Flächenproduktivität arbeiten will, sollte:

  • Kennzahlen definieren: Umsatz pro Quadratmeter, durchschnittlicher Bon, Verweildauer
  • A/B-Tests mit unterschiedlichen Layouts oder Präsentationsformen durchführen
  • Kunden-Feedback aktiv einholen (z. B. kurze Umfragen am POS oder online)

Auf Basis dieser Daten lassen sich Ladenbau-Elemente gezielt optimieren. Das kann bedeuten, Hotspot-Flächen zu verlegen, Warengruppen neu zu clustern oder die Lichtführung in bestimmten Zonen anzupassen.

Prioritäten: Durchdachter Ladenbau ist Chefsache

Wer Ladenbau als reines „Möbelthema“ betrachtet, verschenkt Potenzial. Durchdachte Grundrisse, klare Zonen, psychologisch klug platzierte Hotspots und eine stimmige Atmosphäre zahlen direkt auf die Performance des Stores ein. Besonders im Wettbewerb mit Online-Shops bietet ein erlebnisorientierter, funktionaler Ladenbau die Chance, sich klar zu differenzieren – und Kunden immer wieder zum Wiederkommen zu bewegen.

Händler, die Ladenbau strategisch denken und sich frühzeitig mit erfahrenen Partnern vernetzen, schaffen die Basis dafür, dass jeder Quadratmeter Verkaufsfläche seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet.

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