Der Fachkräftemangel im Einzelhandel spitzt sich zu

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Nicht nur in der Produktion werden händeringend motivierte und gut geschulte Mitarbeiter gesucht. Der Fachkräftemangel im Einzelhandel ist genauso dramatisch. Oftmals führt es sogar dazu, dass die gesteckten Unternehmensziele nicht mehr erreicht werden können. Es ist also eine dramatische Entwicklung.

Der Fachkräftemangel im Einzelhandel ist gravierend

Verschiedene Umfragen ergaben, dass etwa 60 Prozent aller Einzelhändler über fehlendes Personal klagen. Das ist eine beachtliche Zahl. Dadurch entstehen Verzögerungen bei der Auslieferung. Das wiederum verärgert zahlreiche Kunden. Dadurch kommt eins zum anderen. Die wirtschaftliche Lage vieler Einzelhändler ist bereits sehr angespannt. Trotzdem gelingt es nicht, neue Mitarbeiter zu gewinnen. Da stellt sich die Frage, woran es liegen könnte.

Meistens wird davon berichtet, dass die Schuld für die angespannte Situation bei den zahlreichen Onlinehändlern zu suchen ist. Doch ganz so ist es nicht. Auch Anbieter, die ausschließlich im Onlinehandel agieren, klagen unter einem Mangel an qualifizierten Fachkräften. In diesem Bereich sind es zwar nur ungefähr 40 Prozent, aber das ist auch schon sehr viel.

Verschiedene Umfragen ergaben, dass etwa 60 Prozent aller Einzelhändler über fehlendes Personal klagen. ( Foto: Adobe Stock - dusanpetkovic1 )

Verschiedene Umfragen ergaben, dass etwa 60 Prozent aller Einzelhändler über fehlendes Personal klagen. ( Foto: Adobe Stock – dusanpetkovic1 )

 

Erheblicher Mangel an Auszubildenden

Ein Grund für den Fachkräftemangel im Einzelhandel besteht darin, dass es nicht mehr genug Bewerber für einen Ausbildungsplatz gibt. Im Jahre 2022 sind beim größten deutschen Drogeriemarkt DM noch ungefähr 1.900 Ausbildungsplätze unbesetzt. In anderen Branchen gibt es vergleichbare Werte. Es gibt auch einige Unternehmen, die gar nicht mehr selbst ausbilden, sondern nur noch versuchen, kompetente Mitarbeiter zu rekrutieren.

Warum so wenige Schulabgänger eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann oder zur Einzelhandelskauffrau machen möchten, kann nicht genau festgestellt werden. Vielleicht sollten Einzelhändler versuchen, die Jobs etwas interessanter zu gestalten.

Video: Arbeitsmarkt in Deutschland: Initiativen gegen Fachkräftemangel

Oftmals hapert es an der Bezahlung

Ein großes Problem besteht darin, dass zahlreiche Angestellte im Einzelhandel zum Mindestlohn arbeiten müssen. Das betrifft nicht nur Mitarbeiter, die keine entsprechende Ausbildung absolviert haben. Auch diverse Fachkräfte sind davon betroffen.

Statistisch gesehen bekommen nur etwa 30 Prozent aller Angestellten im Einzelhandel einen Tariflohn. Ohne den Mindestlohn würde es sicherlich noch viele zusätzliche Arbeitslose geben. Müssen jedoch ausgebildete Fachkräfte zu solch einem geringen Gehalt arbeiten, dann ist es nicht richtig. Deshalb ist es kein Wunder, dass es einen Fachkräftemangel im Einzelhandel gibt. Das ist aber auch ein wesentlicher Grund, weshalb sich viele junge Menschen davor scheuen, eine Ausbildung in diesem Bereich zu absolvieren.

Neben der Arbeit für den niedrigen Mindestlohn gibt es noch ein weiteres Problem in dieser Branche. Insbesondere im Einzelhandel gibt es überdurchschnittlich viele 450-Euro-Jobs. Dadurch entstehen ebenfalls große Probleme. ( Foto: Adobe Stock - calla )

Neben der Arbeit für den niedrigen Mindestlohn gibt es noch ein weiteres Problem in dieser Branche. Insbesondere im Einzelhandel gibt es überdurchschnittlich viele 450-Euro-Jobs. Dadurch entstehen ebenfalls große Probleme. ( Foto: Adobe Stock – calla )

 

Was kann gegen den Fachkräftemangel im Einzelhandel unternommen werden?

Sicherlich gibt es keine Patentlösung für dieses Problem. Auf jeden Fall ist es wichtig, die Arbeit im Einzelhandel attraktiver zu gestalten. Daran können jedoch nur die Arbeitgeber etwas ändern. Erste Erfolge könnten schon damit erzielt werden, dass nicht mehr die Mehrzahl aller Beschäftigten für den gesetzlichen Mindestlohn arbeiten müssen. Jeder, der gut und zuverlässig seine Arbeit ausführt, sollte auch entsprechend entlohnt werden.

Neben der Arbeit für den niedrigen Mindestlohn gibt es noch ein weiteres Problem in dieser Branche. Insbesondere im Einzelhandel gibt es überdurchschnittlich viele 450-Euro-Jobs. Dadurch entstehen ebenfalls große Probleme.

Für Arbeitgeber ist es eine verlockende Alternative. Die Mitarbeiter in diesem Format verursachen keine hohen Kosten und sind jederzeit austauschbar. Eigentlich war diese Möglichkeit geplant, um eine höhere Flexibilität in Spitzenzeiten erzielen zu können. Es soll allerdings Unternehmen geben, in denen die Mehrzahl der Mitarbeiter in einem solchen Verhältnis angestellt sind. Das sollte vielleicht auch etwas eingeschränkt werden, damit es nicht noch mehr ausufert.

Fachkräftemangel im Einzelhandel bekämpfen durch passende Gehälter

In der letzten Zeit ist der Einzelhandel nicht in sein bestes Licht gerückt worden. Es wird immer wieder von unfairer Bezahlung und vielen anderen unschönen Dingen berichtet. Solche Dinge müssten unbedingt abgeschaltet werden. Zwar sind es nur einige wenige Unternehmen, die nicht immer korrekt mit ihren Mitarbeitern umgehen. Doch darunter leidet letztendlich die gesamte Branche.

Oftmals ist zu beobachten, dass es in ordentlich geführten Unternehmen keinen Fachkräftemangel im Einzelhandel gibt. Allerdings ist es für Bewerber nicht immer einfach, diese herauszufinden. Seriosität lässt sich nicht immer an dem Namen und der Bekanntheit festmachen. Inzwischen gibt es auch schon viele Einzelhandelsunternehmen, die ihren Angestellten eine faire Bezahlung bieten. Diese haben erkannt, dass zuverlässige Mitarbeiter unbedingt erforderlich sind. Ohne sie lässt sich kein Unternehmen dauerhaft erfolgreich führen.

In der letzten Zeit ist der Einzelhandel nicht in sein bestes Licht gerückt worden. ( Foto: Adobe Stock - Corona Borealis )

In der letzten Zeit ist der Einzelhandel nicht in sein bestes Licht gerückt worden. ( Foto: Adobe Stock – Corona Borealis )

 

Offene Stellen überall bekanntmachen (Video)

Nahezu jeder Einzelhändler betreibt mittlerweile auch eine interessante Webpräsenz. Wer die Seiten aufruft, sieht als Erstes die Angebote der Woche oder andere interessante Schnäppchen. Da stellt sich die Frage, warum auf der Startseite nicht gleich ein Hinweis auf offene Stellen angezeigt wird. Auch die Kunden, die regelmäßig vor Ort im Supermarkt einkaufen, informieren sich normalerweise über aktuelle Angebote im Internet.

Supermärkte, Baumärkte oder auch Drogeriemärkte könnten damit sehr einfach Interesse wecken. Sie erzielen wöchentlich mehrere Millionen Aufrufe. Da wird sicherlich der eine oder andere Interessent dabei sein, der sich für einen Ausbildungsplatz oder eine zu vergebende Stelle interessiert.

Keine andere Branche erzielt so viele Webseitenbesuche wie der Einzelhandel. Doch haben Sie auf einer Webseite von Otto, Lidl oder anderen bekannten Unternehmen schon einmal einen Hinweis entdeckt, dass neue Mitarbeiter gesucht werden?

Bei einigen Anbietern dieser Art ist ganz unten versteckt im Footer ein Link enthalten, der die Besucher daran erinnert, dass noch freie Plätze zu haben sind. Allerdings sehen sich nur sehr wenige Seitenbesucher an, was im Footer steht, weil die üblichen Informationen dort für die meisten User eher uninteressant ist.

Ein großes Problem besteht darin, dass Menschen, die nach einem Job oder einem Ausbildungsplatz im Einzelhandel suchen, gar nicht immer wissen, welches Unternehmen Stellen anbietet. Daher wäre es für die Einzelhändler eine interessante und vielversprechende Möglichkeit, aktiv nach neuen Mitarbeitern zu suchen.

Manchmal sind im Kassenbereich von Supermärkten kleine Hinweise zu sehen, dass noch Auszubildende oder andere Mitarbeiter gesucht werden. Diese Hinweise sind zumeist jedoch so klein und unscheinbar, dass sie vielfach übersehen werden. Könnten diese etwas größer und interessanter gestaltet werden, würde es auch schon einen Erfolg bringen. Einerseits gibt es einen gravierenden Fachkräftemangel im Einzelhandel und andererseits sind verfügbare Arbeits- und Ausbildungsplätze nur sehr schwer zu finden.

Video: Arbeitskräfte gesucht – warum es so viele Leerstellen gibt | Die Ratgeber

Was tun Unternehmen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels im Einzelhandel?

Das Problem besteht darin, dass noch nicht jedes Unternehmen den Ernst der Lage erkannt hat. Immerhin planen etwa 41 Prozent aller Einzelhändler einige Maßnahmen. Dabei geht es in erster Linie darum, die Arbeitsplätze attraktiver zu machen. Dabei sollte beachtet werden, dass sich die Mitarbeiter einen interessanten Arbeitsplatz in einem guten Betriebsklima wünschen. Daran hapert es oftmals noch.

Deshalb ist es auch wichtig, betriebliche Strukturen zu überdenken. Insbesondere im Einzelhandel gibt es mitunter noch etwas altbackene Hierarchien, die bei den meisten Angestellten nicht so gut ankommen. Deshalb gibt es auch in diesem Bereich noch Potenzial. Selbstverständlich kann die Unternehmensführung sich nicht mit all diesen Dingen bestens auskennen. Im Zweifelsfall kann auch Hilfe von außen angefordert werden, um das betriebliche Klima wieder zu verbessern.

Mehrere Maßnahmen bündeln

Um den Fachkräftemangel im Einzelhandel zu entschärfen, gibt es nicht nur ein einziges Patentrezept. Deshalb ist es empfehlenswert, mehrere Maßnahmen zu bündeln, um die gesamte Situation interessanter zu gestalten.

Folgende Maßnahmen sollten dabei näher betrachtet werden:

  • Faire Bezahlung
  • Minijobs nur in Ausnahmefällen
  • Attraktive Arbeitsplätze schaffen
  • Sichtbarkeit erhöhen

Social Media Portale nutzen

Zahlreiche Einzelhändler arbeiten schon sehr erfolgreich im Social Media Marketing. Auch auf diesen Portalen wäre es durchaus möglich, etwas Werbung für Ausbildungsplätze zu machen. Fast jeder junge Mensch nutzt diese Plattformen täglich. Werden sie dort angesprochen, ist es interessant. Wer sich davon inspirieren lässt und sich für eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau oder zum Einzelhandelskaufmann entschließt, tut schon etwas, um den Fachkräftemangel im Einzelhandel in Zukunft abzuschwächen.

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