Fachtagung in Bad Sulza verbindet ICF, Rehabilitation und Sozialmedizin

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Am 9. September 2026 veranstaltete das Klinikzentrum Bad Sulza die Fachtagung zur Evaluierung beruflicher Leistungsfähigkeit. Die Referenten stellten die ICF als Rahmen vor, um Gesundheitsstörungen nicht nur diagnostisch, sondern hinsichtlich ihrer Folgen für Aktivitäten, Teilhabe und Arbeitsfähigkeit zu beurteilen. Praxisbeispiele aus mehreren Fachgebieten verdeutlichten den Nutzen einer ressourcenorientierten Betrachtung. Dabei wurden Kontextfaktoren, therapeutische Optionen und sozialmedizinische Prognosen systematisch miteinander verknüpft. Die Veranstaltung unterstützte eine passgenaue Planung rehabilitativer Maßnahmen für Patienten.

ICF ermöglicht präzisere Beurteilung beruflicher und privater Teilhabe individuell

v.l.n.r. Dr. Best (Bildmitte), Dr. Serfling, Prof. Dr. Hof (Foto: TOSKANAWORLD)

v.l.n.r. Dr. Best (Bildmitte), Dr. Serfling, Prof. Dr. Hof (Foto: TOSKANAWORLD)

Die Veranstaltung in Bad Sulza brachte Vertreter der vertragsärztlichen Versorgung, der Akutmedizin, der Rehabilitation und der Kostenträger zusammen. Diskutiert wurde, wie die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit für sozialmedizinische Einschätzungen genutzt werden kann. Statt ausschließlich Diagnosen und Defizite zu erfassen, richtet die ICF den Blick auf vorhandene Ressourcen. Sie ordnet körperliche Funktionen, alltägliche Aktivitäten, soziale Teilhabe und relevante Umweltfaktoren zu einem individuellen Gesamtbild für jeden einzelnen Patienten zusammen.

Ziegenthaler erläutert ICF-orientierte Bewertung komplexer Handicaps für zielgerichtete Rehabilitation

Eine umfassende Bewertung betrachtet medizinische Schäden und praktische Folgen gemeinsam. Gerade bei mehrfachen Verletzungen liefern Einzelbefunde keine ausreichende verlässliche Entscheidungsgrundlage. Standardisierte Instrumente strukturieren die Untersuchung komplexer gesundheitlicher Einschränkungen systematisch einheitlich. Sie erfassen funktionelle Schäden ebenso wie konkrete Probleme im Alltag. Dadurch lassen sich Belastbarkeit, Selbstversorgung und berufliche Möglichkeiten besser beurteilen. Die Ergebnisse unterstützen eine nachvollziehbare sozialmedizinische Einschätzung des Leistungsvermögens. Rehabilitationsmaßnahmen können anschließend genauer an den individuellen Bedarf angepasst werden.

Arbeitsplatzanpassungen gleichen funktionelle Einschränkungen im erwerbsbiografischen Fähigkeitsprofil teilweise aus

Der Chefarzt Prof. Dr. Ewald Hof zeigte, dass die ICF bei orthopädisch geprägten Erkrankungen eine differenzierte Einschätzung beruflicher Möglichkeiten ermöglicht. Seine Darstellung bezog sich auf Versicherte der Deutschen Rentenversicherung und deren im Erwerbsverlauf entwickelte Fähigkeiten. Körperliche Funktionsverluste müssen dabei nicht zwangsläufig zur Aufgabe einer Tätigkeit führen. Ergonomische Hilfsmittel, veränderte Arbeitsabläufe oder angepasste Arbeitsplätze können Belastungen mindern. Die MBOR nutzt solche Teilhabeleistungen, um die Rückkehr in eine geeignete Beschäftigung langfristig abzusichern.

Verhaltensmedizinische Rehabilitation adressiert psychische Barrieren bei chronischer körperlicher Erkrankung

Im Vortrag von Dr. Richard Serfling stand die Frage im Mittelpunkt, weshalb chronische körperliche Erkrankungen häufig mit psychischen und sozialen Schwierigkeiten im Berufsleben verbunden sind. Die VOR setzt deshalb auf ein abgestimmtes Zusammenwirken von Medizin, Physiotherapie, Psychologie und Verhaltenstherapie. Sie soll belastende Schmerzverläufe und ungünstige Reaktionsmuster frühzeitig erkennen. Patienten lernen, Beschwerden besser einzuordnen, Anspannung abzubauen und ihre Belastbarkeit schrittweise zu erhöhen. Zugleich bleibt die Wiederherstellung körperlicher Leistungsfähigkeit als Grundlage beruflicher Teilhabe.

Spiroergometrie liefert ICF-basierte MET-Werte für realistische Belastbarkeitsbewertungen im Beruf

Seidel stellte dar, dass Lungenfunktionsbefunde allein die berufliche Leistungsfähigkeit nur begrenzt erklären. Die Spiroergometrie ergänzt sie durch Daten zur Herz Kreislauf und Atembelastung unter körperlicher Beanspruchung. Eine Übertragung der Ergebnisse in ICF-Merkmale und MET-Werte schafft eine verständliche Verbindung zwischen Diagnostik und Alltag. So können Gutachter beurteilen, welche Tätigkeiten trotz chronisch obstruktiver oder restriktiver Erkrankung möglich sind und welche Umwelteinflüsse am Arbeitsplatz berücksichtigt werden müssen. Dies unterstützt passgenaue Rehabilitationsziele für Betroffene.

Physikalische Medizin stärkt ICF-Umsetzung durch kontinuierliche Fähigkeitsdiagnostik in Rehabilitation

Der Weimarer Chefarzt Norman Best ordnete die Physikalische und Rehabilitative Medizin als Fachgebiet ein, das unterschiedliche Behandlungsbausteine für die ICF orientierte Rehabilitation verbindet. Er betonte den Nutzen einer regelmäßigen Fähigkeitsdiagnostik während des gesamten Rehabilitationsverlaufs. Diese Diagnostik macht Fortschritte, Belastungsgrenzen und Unterstützungsbedarf sichtbar. Sie schafft damit eine belastbare Grundlage für die Planung beruflicher Teilhabe. Diagnoseschlüssel der ICD allein bilden funktionale Leistungsfähigkeit sowie sozialmedizinische Anforderungen in der beruflichen Praxis nicht ausreichend ab.

Fallbesprechungen decken Widersprüche bei sozialmedizinischen Leistungsbeurteilungen frühzeitig gemeinsam auf

Die Fallberatung im Sozialmedizinischen Stammtisch behandelte typische Probleme ärztlicher Begutachtung. Dr. Dörte Meierhof moderierte den Austausch im Klinikum Gera fachlich. Konkrete Praxisfälle machten unterschiedliche Einschätzungen der beruflichen Leistungsfähigkeit sichtbar nachvollziehbar. Eine einheitliche ICF-Codierung ordnet Befunde, Aktivitäten und Teilhabeaspekte systematisch zu. Dadurch können Entscheidungsgrundlagen für Leistungen zur Teilhabe früher verlässlich entstehen. Die beteiligten Sozialversicherungsträger stellen jedoch jeweils eigene Anforderungen an Gutachten. Ärzte benötigen daher fundierte Kenntnisse der jeweiligen Verfahren und Zuständigkeiten. Fünf Fortbildungspunkte der Landesärztekammer Thüringen bestätigten den Weiterbildungscharakter der Veranstaltung.

Das Klinikzentrum Bad Sulza verdeutlicht mit der Fachtagung die Bedeutung einer ressourcenorientierten Rehabilitation. Die ICF ergänzt medizinische Diagnosen durch Angaben zu Aktivitäten, Teilhabe und persönlichen Lebensumständen. Dadurch können Behandlungsziele genauer begründet und Rehabilitationsangebote bedarfsgerechter geplant werden. Patienten erhalten bessere Voraussetzungen für eine nachhaltige Rückkehr in ihren beruflichen Alltag. Im März 2027 soll eine weitere Veranstaltung die Zusammenarbeit zu MBOR und VOR vertiefen.

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