Zukunft des Einzelhandels im Zeitalter des Onlinekaufs

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Immer mehr Menschen bestellen lieber online als ortsansässige Geschäfte aufzusuchen – das beweisen auch die offiziellen Zahlen namenhafter Umfrageinstitute. Wie sieht also die Zukunft des stationären Einzelhandels in Zeiten des wachsenden E-Commerce aus?

Das Zeitalter des Onlinekaufs: E-Commerce wird immer beliebter

Wir sind mitten im digitalen Zeitalter angekommen. Immer mehr Menschen bestellen ihre Bücher, ihre Kleidung, ihre Elektrogeräte und teilweise sogar Lebensmittel im Internet. Ein Bericht des Handelsjournals belegt diese These mit Zahlen: Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) liegt das Wachstum des Onlinehandels seit dem Jahr 2009 bei rund 3,5 Prozent. Ein klarer Aufwärtstrend ist also zu verzeichnen.

Konkret bedeutet dies auch, dass der Onlinehandel im Jahr 2014 8,5 Prozent am Gesamt-Einzelhandel einnimmt. Wird nur der Non-Food-Einzelhandel betrachtet, sind die Zahlen noch eindeutiger: Im gleichen Jahr wurden 19,0 Prozent vom Einzelhandel ohne Lebensmittel durch E-Commerce abgedeckt. Knapp ein Fünftel des Einzelhandels wird also über das Internet abgedeckt – diese Zahl ist beeindruckend!

Genauer aufgeschlüsselt ergibt sich, dass der Bereich Elektronik und Technik mit 31 Prozent Anteil am Onlinehandel der Spitzenreiter ist. An zweiter Stelle der Beliebtheitsskala liegen Produkte aus dem Bereich Spiel und Sport – hier wurden im Jahr 2014 insgesamt 26 Prozent online gekauft. Mit lediglich 11 Prozent Onlineanteil stechen Produkte für Heim und Garten hervor. Dennoch verweist der Bericht auch auf die Grenzen des Internethandels. Der Punkt sei in naher Zukunft erreicht, wo das steigende Wachstum stagnieren wird. Vor allem in den Bereichen Technik und Medien sowie bei Schreibwaren sei eine Stagnation abzusehen.

Wir sind mitten im digitalen Zeitalter angekommen. Immer mehr Menschen bestellen ihre Bücher, ihre Kleidung, ihre Elektrogeräte und teilweise sogar Lebensmittel im Internet. (#01)

Wir sind mitten im digitalen Zeitalter angekommen. Immer mehr Menschen bestellen ihre Bücher, ihre Kleidung, ihre Elektrogeräte und teilweise sogar Lebensmittel im Internet. (#01)

Wieso ist der Onlinehandel so beliebt?

Bevor aber die Zukunftsprognosen näher betrachtet werden sollen, soll zunächst einmal die Frage geklärt werden, weshalb E-Commerce bei den Kunden überhaupt so beliebt ist. In erster Linie besticht der Onlinehandel durch seine Flexibilität hinsichtlich der Liefer- und Bestellzeiten sowie der Preispolitik. Nicht jeder hat ausreichend Zeit, um nach der Arbeit und in der Hektik des Alltags einkaufen zu gehen.

Da ist es viel bequemer, sich abends mit dem Tablet auf der Couch das gewünschte Produkt bestellen zu können. Auch wer den Trubel der Innenstädte bzw. der Läden nicht mag, kann bequem von zu Hause aus bestellen. Die Lieferung frei Haus geht in der Regel sehr schnell, für ganz Eilige gibt es die Möglichkeit, per Express zu bestellen, sodass die Ware so schnell wie möglich ankommt. Die Liefer- und Bestellkonditionen sind über das Internet absolut moderat und vor allem bequem für die Kunden.

Ferner gibt es im Internet bzw. in spezifischen Onlineshops besondere Tools, die ein einfaches und vor allem personalisiertes Einkaufen ermöglichen. Zu nennen wären hier beispielsweise diverse Küchenplaner oder Konfiguratoren für Möbel, Kleidung oder Accessoires. Die Welt der Technik eröffnet den Kunden zahlreiche Möglichkeiten, um die Waren direkt an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Solche digitalen Extras sind ein großer Vorteil des Onlinehandels. Gleichermaßen spielt im Onlinebereich auch die Preispolitik eine tragende Rolle. Diverse Vergleichsportale zeigen dem Kunden stets den besseren Preis an – hierbei profitiert der Kunde.

 

 

Wer Wert auf stressfreies und bequemes Einkaufen mit digitalen Neuerungen zum besten Preis legt, der wird sich beim Onlineshoppen besonders wohlfühlen.(#02)

Wer Wert auf stressfreies und bequemes Einkaufen mit digitalen Neuerungen zum besten Preis legt, der wird sich beim Onlineshoppen besonders wohlfühlen.(#02)

E-Commerce auf dem Vormarsch, jedoch Grenzen wahrnehmbar

Wer Wert auf stressfreies und bequemes Einkaufen mit digitalen Neuerungen zum besten Preis legt, der wird sich beim Onlineshoppen besonders wohlfühlen. Dennoch hat der Sektor des E-Commerce auch wesentliche Grenzen: Eine umfassende und persönliche Betreuung durch einen Kundenberater findet im Internet in der Regel nicht statt. Zwar setzen immer mehr Shops darauf, auch Chats bereitzustellen, an die der Kunde spezifische Fragen stellen kann, dennoch fehlt hier der persönliche Kontakt.

Dies ist jedoch nicht der Grund, weshalb E-Commerce in den kommenden Jahren zurückgehen wird. Prognosen der GfK gehen davon aus, dass einige Sektoren des Onlinehandels wieder schrumpfen werden: Beispielsweise der Bereich Technik und Medien. Nimmt er derzeit noch 38 Prozent am Internet-Umsatz ein, belaufen sich die Prognosen für das Jahr 2025 auf etwa 31 Prozent.

Dies liegt nicht daran, dass die Beliebtheit des E-Commerce zurückgeht. Der Grund für den Rückgang sind die internen Verschiebungen auf dem Onlinemarkt. Lebensmittel oder Drogeriewaren wurden beispielsweise lange Zeit nicht online verkauft. Diese Bereiche des Onlinehandels nehmen jedoch stetig zu, sodass sich die Steigerung am Marktanteil dieser Sektoren nur durch ein Abnehmen in anderen Bereichen des Internethandels realisieren lässt – so lauten zumindest die Prognosen der GfK. Fakt ist: Immer mehr Bereiche erobern den Onlinesektor und das hat nicht zuletzt Konsequenzen für den stationären Einzelhandel. Der Rückschluss, dass der stationäre Einzelhandel unter der steigenden Beliebtheit des E-Commerce leidet, ist nur bedingt richtig. Vielmehr bekommen auch die Läden vor Ort eine zusätzliche Chance, ihr Business auszubauen.

 

Die steigende Beliebtheit des Onlinehandels verdrängt nicht den stationären Einzelhandel, sondern sorgt vielmehr für ein Zusammenwachsen von stationärem Handel und dem E-Commerce. (#03)

Die steigende Beliebtheit des Onlinehandels verdrängt nicht den stationären Einzelhandel, sondern sorgt vielmehr für ein Zusammenwachsen von stationärem Handel und dem E-Commerce. (#03)

Chancen für den stationären Einzelhandel

Die steigende Beliebtheit des Onlinehandels verdrängt nicht den stationären Einzelhandel, sondern sorgt vielmehr für ein Zusammenwachsen von stationärem Handel und dem E-Commerce. Da Läden ohnehin ihre Waren vorrätig haben und über eine funktionierende Infrastruktur verfügen, ist es sinnvoll, auch auf den Zug des E-Commerce aufzuspringen. Ob die Produkte nun über den Warentisch wandern oder versendet werden, ist in erster Linie unerheblich.

Wichtig ist, dass Waren überhaupt verkauft werden. So ist es nicht verwunderlich, dass ein Großteil der Einzelhändler mittlerweile auch über einen Onlineshop verfügt, der die Waren national und international versendet. Einzig die Investition in einen Onlineshop, der womöglich noch mit dem Warenwirtschaftssystem gekoppelt ist, zeigt sich kostenintensiv. Alle anderen Strukturen sind ohnehin verfügbar und dadurch ohne Weiteres nutzbar.

Durch das Zusammenwachsen des Onlinesektors und des stationären Einzelhandels können gleichzeitig viele Kundenwünsche berücksichtigt werden. Die Kunden, die gerne anonym und bequem vom heimischen Wohnzimmer einkaufen, werden ebenso bedient wie die Kunden, denen ein ausführliches Verkaufsgespräch wichtig ist.

Die Aussage ‚Der Kunde ist König‘ bekommt beim Zusammenwachsen von E-Commerce und stationärem Einzelhandel also eine ganz besondere Bedeutung. Doch was tun, wenn es eben nicht oder nur bedingt möglich ist, selbst einen Onlineshop aufzubauen? Dann sollte sich der stationäre Einzelhandel in jedem Fall auf die Dinge rückbesinnen, die er am besten kann, nämlich den persönlichen Kontakt mit den Kunden.

 Da viele Kunden nach wie vor gehobenen Wert auf den sogenannten ‚face-to-face‘ Kontakt legen, ist es essenziell, diesen zu verbessern. (#04)

Da viele Kunden nach wie vor gehobenen Wert auf den sogenannten ‚face-to-face‘ Kontakt legen, ist es essenziell, diesen zu verbessern. (#04)

Stationärer Einzelhandel: Optimierung der Kompetenzen

Um gegen die bestehende Flut der Onlinehändler zu bestehen, ist es eine sinnvolle Variante, selbst E-Commerce zu betreiben. Wer hierbei allerdings nicht die notwendigen personellen oder sonstigen Strukturen zur Verfügung hat, der sollte alles Erdenkliche tun, um die eigenen Kompetenzen des stationären Handels auszubauen.

Dies ist, wie bereits genannt, der persönliche Kontakt mit dem Kunden. In erster Linie geht es darum, die Kundenbetreuung zu optimieren, die Verkaufsgespräche zu verbessern und dabei insbesondere auf die Zielgruppe einzugehen. Da viele Kunden nach wie vor gehobenen Wert auf den sogenannten ‚face-to-face‘ Kontakt legen, ist es essenziell, diesen zu verbessern. Treuekarten, Newsletter für Stammkunden oder ein Bonussystem sind wertvolle Methoden der Kundenbindung, die es so im Onlinehandel nicht gibt.

Es gilt also, kreativ zu sein und sich auf die Wünsche der Kunden einzulassen. Die Zielgruppe soll gerne zum stationären Einzelhandel kommen und sich dort auch gut aufgehoben fühlen. Der persönliche Kontakt zum Kunden ist also das Alleinstellungsmerkmal, dem sich der stationäre Einzelhandel im Wesentlichen widmen muss, um langfristig auf dem Markt zu bestehen. Die gute Nachricht lautet, dass sich eine Vielzahl der Kunden zunehmend weg vom Motto ‚Geiz ist geil‘ bewegt und sich für Qualität und Kundenservice begeistern kann. Diese Chance gilt es vom stationären Einzelhandel zu nutzen, um bestmöglich von der Situation zu profitieren.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild:Gerhard Seybert-#01:tunedin-#02:Matthias Stolt-#03:UBER IMAGES-#04:Robert Kneschke

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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