Tarifvertrag im Groß- und Außenhandel: Löhne, Urlaub & mehr

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Für die Beschäftigten im Groß- und Außenhandel spielt in erster Linie der Tarifvertrag eine sehr wichtige Rolle. Dieser bestimmt nicht nur, wie groß das Einkommen ist, sondern auch, wie viel Urlaub die Arbeitskräfte erhalten und wie lange sie pro Woche arbeiten müssen.

Groß- und Außenhandel: Einer der wesentlichen Wirtschaftszweige in Deutschland

Wenn ein Industrieunternehmen ein Produkt herstellt, hat es die Möglichkeit, dieses direkt an einen Einzelhändler oder sogar an die Endkunden zu verkaufen. Außerdem kann es die Waren an Geschäftspartner im Ausland exportieren. Diese Alternative ist jedoch mit einem recht großen Aufwand verbunden. Insbesondere die Einzelhändler müssen dabei mit unzähligen Lieferanten zusammenarbeiten, um ihr Sortiment zu vervollständigen. Auch der logistische Aufwand ist beträchtlich. Aus diesen Gründen ist es sinnvoll, wenn die Lieferkette eine weitere Zwischenstation enthält. Großhändler machen den Einkauf für die Einzelhandelsgeschäfte deutlich einfacher, da sie diesen die Produkte vieler verschiedener Hersteller anbieten. Auf diese Weise sind nur wenige Bezugsquellen notwendig, um sicherzustellen, dass das Sortiment ausreichend groß ist und den Endkunden vielfältige Auswahlmöglichkeiten bietet.

Auch im Bereich des Außenhandels ist es sinnvoll, wenn spezialisierte Händler diese Aufgabe übernehmen. Sowohl der Import als auch der Export von Produkten ist mit einem erheblichen bürokratischen Aufwand verbunden. Daher sind hierfür spezialisierte Fachkräfte erforderlich, die diese Aufgaben übernehmen. Zusammenfassend kann man feststellen, dass der Außen- und Großhandel für die Wirtschaft in Deutschland eine bedeutende Funktion hat. Dieser Bereich stellt ein wichtiges Bindeglied zwischen Herstellern und Konsumenten dar. Das hat zur Folge, dass in diesem Bereich auch viele Arbeitskräfte erforderlich sind. Wie groß deren Lohn oder Gehalt ist, bestimmt der Tarifvertrag. Dieser Artikel stellt die wichtigsten Grundlagen dieses Regelwerks vor.

Sowohl der Import als auch der Export von Produkten ist mit einem erheblichen bürokratischen Aufwand verbunden. (#01)

Sowohl der Import als auch der Export von Produkten ist mit einem erheblichen bürokratischen Aufwand verbunden. (#01)

Außenhandel: Die besondere Bedeutung für die deutsche Wirtschaft

Der Außenhandel spielt für die deutsche Wirtschaft eine sehr wichtige Rolle. Das wird bereits auf den ersten Blick deutlich, wenn man sich den internationalen Vergleich der Import- und Export-Statistiken anschaut. Für das Jahr 2017 lag Deutschland in beiden Kategorien auf dem dritten Platz. Im Bereich der Exporte war der Wert beinahe gleich groß wie für die USA, die hierbei an zweiter Stelle stehen. Lediglich China konnte sich mit einem deutlichen Abstand absetzen. Wenn man darüber hinaus in Betracht zieht, dass die gesamte Wirtschaftsleistung Deutschlands wesentlich geringer ist als in den USA und in China, wird deutlich, welche enorme Rolle der Außenhandel hierzulande spielt. Die Exporte in andere Länder sind sehr wichtig, um den Wohlstand der Bevölkerung sicherzustellen. Darüber hinaus hängen davon unzählige Arbeitsplätze ab.

Die Importe und Exporte tragen außerdem erheblich zum Wirtschaftswachstum bei. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich diese Werte in den letzten Jahren entwickelt haben. Die Exporte sind beispielsweise zwischen 2010 und 2017 von rund 950 Milliarden auf knapp 1,3 Billionen Euro angestiegen. Auch bei den Importen ist eine deutliche Steigerung zu beobachten. Diese wuchsen im gleichen Zeitraum von etwa 800 Milliarden Euro auf etwas mehr als eine Billion Euro an.

Importe und Exporte (in Mio.Euro)

Warenexporte Warenimporte
2010 951.959 797.097
2011 1.061.225 902.523
2012 1.092.627 899.405
2013 1.088.025 890.393
2014 1.123.746 910.145
2015 1.193.555 949.245
2016 1.203.833 954.917
2017 1.279.066 1.034.323

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Großhandel: Schnittstelle zwischen Industrie und Einzelhändlern

Der Großhandel spielt in der deutschen Wirtschaft ebenfalls eine wichtige Rolle. Er stellt die Schnittstelle zwischen den Herstellern und den Einzelhändlern dar. Sie erleichtern die Organisation des Einkaufs erheblich. Bei einem Großhändler ist es möglich, die Erzeugnisse vieler verschiedener Hersteller zu bestellen. Daher können die Einzelhändler mit einer einzigen Bestellung ein umfangreiches Sortiment sicherstellen. Darüber hinaus sorgen die Großhändler für eine einfachere Logistik. Wenn ein Einzelhändler seine Waren direkt beim Hersteller bezieht, ist die Bestellmenge meistens recht gering. Das führt zu hohen Transportkosten. Ein Großhändler bestellt hingegen größere Mengen, wodurch erhebliche Einsparungen möglich sind.

Der Großhandel stellt die Schnittstelle zwischen den Herstellern und den Einzelhändlern dar. (#02)

Der Großhandel stellt die Schnittstelle zwischen den Herstellern und den Einzelhändlern dar. (#02)

Auch der Großhandel trägt zum Wirtschaftswachstum in Deutschland bei. Die folgende Tabelle zeigt, dass die Umsätze in diesem Bereich trotz einiger Schwankungen zwischen 2008 und 2016 deutlich angestiegen sind. Die positive Entwicklung in dieser Branche schlägt sich auch im Tarifvertrag nieder. Die Arbeiter und Angestellten konnten in den letzten Jahren erhebliche Einkommenssteigerungen verbuchen.

Umsätze im Großhandel (in Mrd. Euro)

2008 892
2010 1.014
2012 1.178
2014 1.167
2016 1.144

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Starker Zuwachs bei den Beschäftigungszahlen im Groß- und Außenhandel

Die guten wirtschaftlichen Daten machen sich auch an der Zahl der Beschäftigten in dieser Branche bemerkbar. Lediglich im Jahr 2009 kam es dabei zu einem deutlichen Rückgang. Das ist als Folge der allgemeinen Wirtschaftskrise im Vorjahr zu bewerten. 2010 war nur noch ein minimaler Rückgang bei den Vollzeitbeschäftigten zu verbuchen. Bei den Teilzeitbeschäftigten kam es hingegen bereits wieder zu einem Anstieg. In den folgenden Jahren ist die Zahl der Beschäftigten immer weiter angestiegen. Das führt dazu, dass die Beschäftigungsentwicklung in dieser Branche insgesamt positiv zu bewerten ist. Allerdings ist auffällig, dass der Anstieg bei den Teilzeitbeschäftigten deutlich größer war als bei den Vollzeitbeschäftigten.

Beschäftigungszahlen (Zu-/Abnahme im Vergleich zum Vorjahr)

Vollzeit Teilzeit
2008 1,2 % 0,7 %
2009 -4,6 % -4,4 %
2010 -0,6 % 1,1 %
2011 2,1 % 3,0 %
2012 0,6 % 4,6 %
2013 0,3 % 1,4 %
2014 0,6 % 0,5 %

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Kauffrau/-mann im Groß- und Außenhandel (#03)

Kauffrau/-mann im Groß- und Außenhandel (#03)

Kauffrau/-mann im Groß- und Außenhandel: Ein beliebtes Ausbildungsziel

Obwohl das Wachstum in dieser Branche groß ist, sind die Ausbildungszahlen in diesem Bereich rückläufig.

  • Wenn man die Werte ab 2010 betrachtet, kann man zwar zunächst einen leichten Anstieg feststellen, aber ab 2013 ist ein teilweise deutlicher Rückgang zu verzeichnen.
  • 2017 gab es im Groß- und Außenhandel nur noch rund 34.000 Auszubildende, das ist deutlich weniger als 2012.
  • In diesem Jahr hatte der Wert mit rund 40.600 Auszubildenden einen Rekord erreicht und ist seitdem stetig rückläufig.

Groß- und Außenhandelskaufleute: Zahl der Auszubildenden

2010 38.088
2011 38.811
2012 40.641
2013 40.446
2014 39.207
2015 38.307
2016 37.584
2017 34.095

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Wann ist der Tarifvertrag gültig?

Der Tarifvertrag bestimmt die Grundvergütungen der Arbeiter und Angestellten der entsprechenden Branche. Außerdem gibt er vor, welche Vergütung während der Ausbildung anfällt, wie hoch die wöchentliche Arbeitszeit ist und und wie viel Urlaub die Fachkräfte erhalten. Wenn man diese Vertragswerke jedoch im Detail betrachtet, dann stellt man fest, dass es hinsichtlich der Gültigkeit erhebliche Unterschiede gibt. Daher ist es zunächst wichtig, zu klären, unter welchen Voraussetzungen ein Tarifvertrag zu beachten ist.

Zunächst ist festzustellen, dass die Vereinbarungen immer nur für ein bestimmtes Bundesland getroffen werden.

Der Tarifvertrag in Bayern oder Sachsen sieht beispielsweise ganz anders
aus als in Baden-Württemberg oder Mecklenburg-Vorpommern.

Daher ist es stets wichtig, sich genau darüber zu informieren, für welches Bundesland der entsprechende Tarifvertrag gültig ist. Wenn man die Werte miteinander vergleicht, bleibt jedoch festzuhalten, dass die Unterschiede relativ gering sind. Die Arbeiter und Angestellten im Groß- und Außenhandel haben daher im gesamten Bundesgebiet ein recht ähnliches Einkommen. Von weitaus größerer Bedeutung sind die Kenntnisse, die die jeweiligen Tätigkeiten voraussetzen, die Position innerhalb des Unternehmens sowie die bisherige Dauer des Anstellungsverhältnisses.

Darüber hinaus ist es wichtig, in jedem Einzelfall zu prüfen, ob der Tarifvertrag für das entsprechende Arbeitsverhältnis verbindlich ist. Das trifft normalerweise nur dann zu, wenn sowohl der Arbeitnehmer Mitglied in der Gewerkschaft als auch das Unternehmen Mitglied im Arbeitgeberverband ist, die die entsprechenden Verträge unterzeichnet haben. Allerdings kann der Gesetzgeber auch die Allgemeinverbindlichkeit eines Tarifvertrags erklären.

Das bedeutet, dass alle beschäftigten der entsprechenden Branche einen gesetzlichen Anspruch auf das im Tarifvertrag festgelegte Gehalt haben, unabhängig davon, ob sie Mitglied der Gewerkschaft sind. Allerdings ist die Erklärung der Allgemeinverbindlichkeit nur recht selten. In der Regel wird diese lediglich bei Manteltarifverträgen festgelegt. Diese beinhalten beispielsweise die Arbeitszeit, die Regelungen für Mehrarbeit nach Ladenschluss sowie Urlaubstage. Wie groß die Grundvergütungen sind, ist darin jedoch nicht festgehalten.

Mantelverträge beinhalten beispielsweise die Arbeitszeit, die Regelungen für Mehrarbeit nach Ladenschluss sowie Urlaubstage. (#04)

Mantelverträge beinhalten beispielsweise die Arbeitszeit, die Regelungen für Mehrarbeit nach Ladenschluss sowie Urlaubstage. (#04)

Löhne und Gehälter: Der Tarifvertrag bestimmt das Einkommen

Falls Sie im Groß- und Außenhandel arbeiten, möchten Sie nun sicherlich wissen, wie groß das Gehalt in dieser Branche ist. Das hängt jedoch stets davon ab, welche Kenntnisse die entsprechenden Tätigkeiten voraussetzen. Wenn Sie beispielsweise einfache Tätigkeiten im Lager verrichten, für die keine Ausbildung notwendig ist, erhalten Sie selbstverständlich ein ganz anderes Einkommen, als wenn Sie in der Filialleitung tätig sind.

Um sich einen Überblick zu verschaffen, sollen nun einige konkrete Werte vorgestellt werden. Dabei wird mit der Gehaltsgruppe 1 im ersten Tätigkeitsjahr begonnen. Diese umfasst Angestellte, die sehr einfache Tätigkeiten ausführen. Dabei handelt es sich um die niedrigste Gehaltsklasse.

Angestellte in Baden-Württemberg verdienen in diesem Bereich beispielsweise

  • in Baden-Württemberg 1.864 Euro (ab 1.4. 2018).
  • In Bayern liegt der Wert bei 1.978 Euro,
  • in Sachsen-Anhalt bei 1.902 Euro und
  • in Nordrhein-Westfalen bei 1.930 Euro.

Dabei wird bereits ersichtlich, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern relativ gering sind. Auch in den übrigen Ländern liegt die Vergütung für Angestellte in der Gehaltsklasse 1 auf einem ähnlichen Niveau.

Mit den Anforderungen an die Kenntnisse der Arbeitskräfte wächst auch die Vergütung. Besonders groß ist diese in der Gehaltsklasse 7. Diese umfasst beispielsweise die Filialleitung und andere leitende Angestellte. Das Gehalt hierfür beträgt in Baden-Württemberg 4.485 Euro und in Bayern 4.016 Euro. In anderen Ländern reicht das System nur bis Gehaltsgruppe 6. In Sachsen-Anhalt liegt der Spitzenverdienst beispielsweise bei 4.182 Euro und in Nordrhein-Westfalen bei 4.556 Euro.

Neben den Gehältern beinhaltet der Tarifvertrag auch Vorgaben für die Löhne in dieser Branche. Diese sind ebenfalls in verschiedene Gruppen eingeteilt. Die Lohngruppe 1 weist in den meisten Ländern ähnliche Werte auf wie die Gehaltsgruppe 1 – also meistens rund 2.000 Euro. Allerdings sind hier die Steigerungsraten für die höheren Lohngruppen deutlich geringer. In Lohngruppe 6 verdienen die Arbeiter beispielsweise meistens rund 3.000 Euro.

Von großer Bedeutung ist auch die Ausbildungsvergütung. Diese ist ebenfalls im Tarifvertrag festgelegt. Auch hierbei gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, die allerdings recht gering ausfallen. Im ersten Ausbildungsjahr liegt die Vergütung etwa zwischen 830 und 930 Euro. Sie steigt dann schrittweise an, bis sie im vierten Lehrjahr einen Wert von etwa 1.000 bis 1.100 Euro erreicht.

Von großer Bedeutung ist auch die Ausbildungsvergütung. Diese ist ebenfalls im Tarifvertrag festgelegt. (#05)

Von großer Bedeutung ist auch die Ausbildungsvergütung. Diese ist ebenfalls im Tarifvertrag festgelegt. (#05)

Weitere Details des Tarifvertrags

Die soeben besprochenen Tarifverträge beinhalten Vorgaben über die Höhe der Löhne und Gehälter. Darüber hinaus gibt es jedoch auch sogenannte Manteltarifverträge. Diese legen die grundsätzlichen Bedingungen für die Arbeitskräfte fest. Sie haben in der Regel eine deutlich längere Gültigkeit und werden nicht so oft neu verhandelt. Die Regelungen sind dabei in den meisten Bundesländern sehr ähnlich. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt beispielsweise 38,5 Stunden. Wenn Sie öfters auch nach Ladenschluss arbeiten müssen, ist es für Sie von Interesse, dass Sie in diesem Fall einen Zuschlag für die Mehrarbeit erhalten. Diesen muss der Arbeitgeber dann bezahlen, wenn die Arbeitszeit mehr als 10 Stunden pro Tag beträgt. Für die weitere Arbeitszeit steht Ihnen ein Zuschlag von 50 Prozent zu. Deutlich größer sind die Zuschläge, wenn Sie an Sonn- oder an Feiertagen arbeiten müssen.

Der Manteltarifvertrag gibt auch die Urlaubstage vor. Diese liegt im Groß- und Außenhandel in der Regel bei 30 Werktagen (bei einer tariflichen Arbeitszeit von 5 Tagen pro Woche) beziehungsweise bei 36 Werktagen (bei einer tariflichen Arbeitszeit von 6 Tagen pro Woche).


Bildnachweis: ©Shutterstock-Titelbild: Igor Grochev, #01: gopixa, #02: jayk67, #03: LightField Studios, #04: Roman Samborskyi, #05: ESB Professional

Marius Beilhammer

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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