Lagerhaltungskosten in 8 Schritten einfach senken

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Die Lagerhaltungskosten machen in vielen Betrieben einen großen Teil an den Gesamtausgaben aus. Daher ist es sehr wichtig, sie zu optimieren. Auf diese Weise lassen sich die hierfür benötigten Mittel deutlich reduzieren.

Immer mehr Lagerflächen benötigt: Wachstum in Industrie und Handel

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland war in den letzten Jahren sehr robust. Die Unternehmen konnten deutlich höhere Gewinne machen. Das Wachstum hat zur Folge, dass auch der Bedarf an Lagerflächen ansteigt. Die folgende Tabelle zeigt auf, wie groß das Wachstum in den letzten Jahren in den verschiedenen Branchen war. Besonders hohe Lagerkapazitäten benötigen die Betriebe in den Sektoren Industrie und Handel. In diesen Bereichen nahm das Wachstum zwar keine Spitzenpositionen ein, doch konnte es dennoch beträchtliche Werte aufweisen. Das hat zur Folge, dass der Bedarf an Lagerkapazitäten in den letzten Jahren ebenfalls deutlich angestiegen ist.

Wachstum nach Sektoren in Deutschland (in Prozent)

2012-2016 2017 2018
Industrie 0,8 3,4 2,9
Baugewerbe 1,7 6,8 3,7
grundstücks- und Wohnungswesen 1,9 5,8 4,7
Einzelhandel 1,5 2,8 1,8
Information und Kommunikation 2,6 3,3 3,1
Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen 2,3 6,2 4,5
Unternehmensnahe Dienstleistungen 2,0 5,9 5,2
Personenbezogene Dienstleistungen -0,1 1,3 1,2
Gastgewerbe 0,1 1,1 0,9

Quelle

Stark steigende Preise für Gewerbegrundstücke führen zu steigenden Lagerhaltungskosten

In den letzten Jahren ist nicht nur der Bedarf an Lagerkapazitäten stark angestiegen. Darüber hinaus haben sich die Preise für Gewerbegrundstücke gesteigert. Das führt dazu, dass erheblich höhere Investitionen notwendig sind, um ein neues Lager zu errichten. Die folgende Tabelle zeigt, dass die Preise für Gewerbegrundstücke seit 2010 enormen angestiegen sind. Das verdeutlicht, welch hohe Kosten die Einrichtung eines Lagers mittlerweile mit sich bringt. Es gibt jedoch noch eine weitere Alternative. Anstatt neue Lagerflächen zu errichten, können Sie die Nutzung des Lagers optimieren. Ein niedriger Lagerbestand macht zusätzliche Lagerflächen überflüssig und trägt auf diese Weise dazu bei, die Lagerhaltungskosten deutlich zu reduzieren.

Immobilienpreisindex für Gewerbegrundstücke – Index 1990=100

1990 100,0
1995 125,0
2000 113,1
2005 112,2
2010 116,2
2015 132,4
2016 137,5
2017 142,7

Quelle

Vielfältige weitere Kosten durch hohe Lagerbestände

Ein erheblicher Bestandteil der Lagerkosten wurde bereits im vorherigen Abschnitt angeschnitten: die Raumkosten. Um die notwendigen Räume bereitzustellen, können die Betriebe eine geeignete Immobilie erwerben oder selbst erstellen. Das hat jedoch eine hohe Kapitalbindung zur Folge, die Investitionen in anderen Bereichen beeinträchtigt. Die zweite Möglichkeit besteht darin, ein entsprechendes Lager zu mieten oder zu pachten. In diesem Fall entstehen laufende Kosten, die das Unternehmen decken muss. Die Raumkosten machen jedoch nur einen Teil der gesamten Lagerhaltungskosten aus. Einen weiteren wichtigen Aspekt stellen die Personalkosten dar. Jedes Lager benötigt Mitarbeiter, die die Wareneingänge und -ausgänge überwachen und die die Produkte am richtigen Ort ablegen. Darüber hinaus sind Förder- und Hilfsmittel notwendig, welche auch Kapitalkosten verursachen. Außerdem kommt es dabei zu einer Wertminderung durch Abnutzung und es fallen immer wieder Ausgaben für die Wartung an.

Einen relativ kleinen Posten nehmen die Materialkosten ein – beispielsweise für Verpackungen und für das Büromaterial. Einen wichtigen Aspekt stellen hingegen die Kosten der gelagerten Waren dar. Diese binden viel Kapital. Ist für die Warenbeschaffung ein Kredit notwendig, fallen Kosten durch Zinsen an. Bringt das Unternehmen die Kapitalkosten hierfür selbst auf, fehlen die entsprechenden Summen für Investitionen an anderer Stelle. Wenn sich hohe Warenwerte im Lager befinden, steigt dadurch außerdem die Wahrscheinlichkeit für eine Beschädigung oder für einen Wertverlust durch Überalterung. Darüber hinaus steigen dadurch die Versicherungskosten an. All diese Aspekte führen dazu, dass ein Lager hohe Kosten verursacht. Untersuchungen haben ergeben, dass in deutschen Industrie- und Handelsbetrieben die Logistikkosten rund 16 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Die Hälfte davon (8 Prozent) beläuft sich auf die Lagerhaltungskosten (Quelle). Das bedeutet, dass eine Senkung der Lagerkosten großen Einfluss auf das Gesamtergebnis eines Unternehmens hat.

Lagerkostensatz und Lagerintensität: Wichtige Kennziffern für die Optimierung der Lagerhaltungskosten

Optimierung der Lagerhaltungskosten (#01)

Optimierung der Lagerhaltungskosten (#01)

Bevor man sich der Optimierung der Lagerhaltungskosten zuwendet, ist es notwendig, sich mit den wesentlichen Kennzahlen in diesem Bereich auseinanderzusetzen. Dabei spielt der Lagerkostensatz eine wichtige Rolle. Dafür muss man zunächst die gesamten Lagerkosten – mit allen im vorherigen Abschnitt genannten Einzelpunkten – berechnen. Diesen Wert muss man dann durch den durchschnittlichen Lagerwert teilen und mit 100 % multiplizieren.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, die Lagerkosten pro Stück zu berechnen. Dazu muss man den Prozentsatz, der sich bei der Errechnung des Lagerkostensatzes ergeben hat, auf den Wert des entsprechenden Gegenstands anwenden.

Des Weiteren ist die Lagerintensität von großer Bedeutung. Diese Kennzahl gibt an, wie groß der im Lager vorhandene Warenwert im Vergleich zum Gesamtvermögen des Unternehmens ist. Beide Werte sollten in der Bilanz des Unternehmens auftauchen. Daher muss man sie lediglich miteinander dividieren und anschließend mit 100 % multiplizieren.

8 Schritte für niedrige Lagerhaltungskosten

Nachdem die Grundlagen für die Berechnung der Lagerhaltungskosten geklärt sind, ist es an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie man diese reduzieren kann. Ziel ist es dabei, die Kapitalbindung durch einen hohen Lagerbestand und durch teure Lagerhallen zu senken. Darüber hinaus ist es wichtig, die laufenden Logistikkosten so gering wie möglich zu halten. Die folgenden acht Schritten helfen dabei, diese Vorhaben umzusetzen.

    1. Kennzahlen ermitteln und prüfen, ob Handlungsbedarf besteht
      Zunächst ist es notwendig, die Kennzahlen für Ihr Unternehmen zu ermitteln. Die Formeln für die Berechnung der Lagerintensität und des Lagerkostensatzes wurden bereits vorgestellt. Die dafür notwendigen Werte finden Sie häufig in der Bilanz und in der letzten Inventur des Lagers. Nachdem Sie diese Kennzahlen ermittelt haben, ist es wichtig, sie mit den in Ihrer Branche üblichen Werten zu vergleichen. Daraus können Sie ablesen, ob sie im Vergleich zu ihren Mitbewerbern zu hoch sind. Auch der zeitliche Verlauf dieser Werte in Ihrem eigenen Unternehmen ist hilfreich. Auf diese Weise erkennen Sie, ob ein konkreter Handlungsbedarf besteht.
    2. Lagerhüter entsorgen
      Um die Lagerhaltungskosten zu senken, ist es zunächst notwendig, alle Lagerhüter zu entsorgen. Auch wenn das mit kurzfristigen Abschreibungen verbunden ist, steigert das bereits mittelfristig Ihre Gewinnaussichten. Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum schon überschritten ist, bleibt nur noch die Entsorgung. Wenn sich die Artikel noch in einem guten Zustand befinden, können Sie sie durch Rabattaktionen loswerden. Auch die Rücksendung an den Lieferanten ist manchmal möglich.
    3. ABC-Analyse: die Prioritäten der Artikel festlegen
      Bei den restlichen Artikeln ist es sinnvoll, Prioritäten zu vergeben. Dazu dient die ABC-Analyse. A-Artikel haben dabei die höchste Priorität und machen rund 70 bis 80 Prozent des Gesamtverbrauchswerts aus. Sie umfassen jedoch nur 10 bis 20 Prozent des Lagerbestands. B-Artikel machen nur noch 15 bis 25 Prozent des Gesamtverbrauchswerts aus, obwohl sie rund 30 Prozent des Gesamtbestands einnehmen. Etwa die Hälfte des Gesamtbestands besteht aus C-Artikeln. Deren Verbrauchswert beträgt aber nur rund 5 Prozent des Gesamtbestands. Es ist sinnvoll, bei der Optimierung mit den A-Artikeln zu beginnen.
    4. Bedarfsgerechte Bestandsführung umsetzen
      Den Schlüssel zur Optimierung der Lagerhaltungskosten stellt die bedarfsgerechte Bestandsführung dar. Dazu müssen Sie den Durchschnittsverbrauch, die Wiederbeschaffungszeit und den benötigten Mindestbestand ermitteln. Anhand dieser Werte berechnen Sie den Meldebestand – den Warenbestand, bei dem eine Nachbestellung erforderlich ist. Um den Meldebestand zu ermitteln, müssen Sie den durchschnittlichen Tagesverbrauch mit der Lieferzeit multiplizieren und zu diesem Wert den Mindestbestand addieren.

      Den Schlüssel zur Optimierung der Lagerhaltungskosten stellt die bedarfsgerechte Bestandsführung dar. (#02)

      Den Schlüssel zur Optimierung der Lagerhaltungskosten stellt die bedarfsgerechte Bestandsführung dar. (#02)

    5. Bestände für hochpreisige Teile reduzieren
      Eine besonders intensive Kapitaleinsparung lässt sich durch die Reduzierung der Vorräte an hochpreisigen Teilen erreichen. Daher ist es empfehlenswert, in diesem Bereich anzusetzen. Dafür ist es sinnvoll, die Lieferzeiten zu reduzieren. Das lässt sich häufig durch ein Gespräch mit dem Lieferanten oder durch einen Anbieterwechsel erreichen. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, die Bestellfrequenz zu erhöhen.
    6. Bestellmenge optimieren
      Ein weiteres wichtiges Mittel für die Senkung der Lagerhaltungskosten ist die Optimierung der Bestellmenge. Um den idealen Wert hierfür zu berechnen, muss man zunächst die Bestellkosten verdoppeln und mit dem Jahresbedarf multiplizieren. Diesen Wert müssen Sie durch den Lagerkostensatz und durch den Kaufpreis pro Stück teilen. Aus diesem Wert müssen Sie die Wurzel ziehen. Selbstverständlich ist es nicht immer möglich, diesen Idealwert umzusetzen. Doch sollten Sie sich bei Ihren Bestellungen daran orientieren.
    7. Einkaufskonditionen verbessern
      Um die Lagerhaltungskosten zu reduzieren, ist es wichtig, die Einkaufskonditionen zu überarbeiten. Wenn Sie niedrige Produktpreise erzielen, dann ergibt sich daraus automatisch eine geringere Kapitalbindung. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, Lieferzeiten und andere Details in Rahmenverträgen abzusichern.
    8. Logistische Abläufe und Lagerverwaltung optimieren
      Auch die internen Prozesse bieten häufig Optimierungsmöglichkeiten. Die Umsetzung eines logischen Lagerplatzsystems ermöglicht eine Reduzierung der Lauf- und Transportwege. Das führt zu niedrigeren Personalkosten. Auch die Verwaltung lässt sich häufig noch etwas effizienter gestalten – beispielsweise durch die Verwendung eines Warenwirtschaftssystems.

Bildnachweis: ©Shutterstock-Titelbild: Halfpoint, #01: Surachet Jo, #02: Syda Productions

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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