Jahreszeitenverlag: Was brachte die Umstrukturierung?

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Im Jahr 2010 startete der Jahreszeitenverlag eine große Umstrukturierung. Im Zuge dessen mussten etliche Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Abgesehen von leitenden Angestellten bekamen fast alle Redakteure eine betriebsbedingte Kündigung. Die Artikel entstehen seither hauptsächlich bei freien Mitarbeitern. Nach nun mehr sechs Jahren ist es Zeit für ein erstes Resümee. Was hat die Umstrukturierung gebracht und wie steht der Verlag heute da?

Die Krise für Printmedien nimmt kein Ende

Noch immer hat der Jahreszeitenverlag mit einigen Problemen zu kämpfen. Wie genau sich die zahlreichen Umbaumaßnahmen auf die Auflage und den Gewinn der einzelnen Publikationen ausgewirkt hat, lässt sich leider nicht in Erfahrung bringen. Der Verlag gibt darüber keine Informationen preis. Ein Blick auf den Schirmherrn Ganske liefert aber ein deutliches Bild. Die Geschäftszahlen fallen dort wohl noch immer katastrophal aus und es kommt immer wieder zu neuen Verlusten. Trotz immer weiterer Sparmaßnahmen haben die Printmedien mit sinkenden Auflagen zu kämpfen. Gerade der Jahreszeitenverlag ist davon besonders betroffen, da Magazine wie Petra sich häufig auf Themen konzentrieren, die im Internet heute stärker denn je vertreten sind.

Jahreszeitenverlag: Die Kriese für Printmedien nimmt kein Ende #1

Jahreszeitenverlag: Die Krise für Printmedien nimmt kein Ende #1

Dass es beim Jahreszeitenverlag immer noch nicht ganz rund läuft, darauf deutet auch die Tatsache hin, dass weiterhin am Umbau des Unternehmens gearbeitet wird. Das Outsourcing nimmt weiter zu, anscheinend sollen in Zukunft auch leitende Angestellte durch freie Mitarbeiter ersetzt werden. Mit einer klassischen Redaktion haben die restlichen Angestellten schon lange nichts mehr zu tun. Jetzt scheint es aber so, als könnten die bekannten Marken des Jalag in Zukunft nur noch als Sammelsurium für Artikel von den unterschiedlichsten Autoren dienen. Allerdings muss sich das nicht zwingend negativ auf die Qualität auswirken, solange die einzelnen Artikel gut aufeinander abgestimmt werden.

Flucht nach vorne!

Trotz der bestehenden Probleme bemüht sich der Jahreszeitenverlag darum, neue Leser zu gewinnen. Zu diesem Zweck haben die Verantwortlichen bei Jahreszeiten erst in diesem Jahr ein neues Magazin veröffentlicht. Der Robb Report ist erstmals auch in Deutschland erhältlich. Die Zeitschrift beschäftigt sich vornehmlich mit Themen rund um Luxus. Weltweit schafft der Robb Report es auf eine Auflage von etwa einer Million Heften monatlich. In Deutschland startete das Heft mit einer Auflage von 100.000 Stück. Wie viele davon bisher verkauft wurden, ist nicht bekannt.

Jahreszeitenverlag: Flucht nach vorne #2

Jahreszeitenverlag: Flucht nach vorne #2

Ob der Jahreszeitenverlag mit einer Produktoffensive neue Kunden zu einem Abo überreden kann, bleibt abzuwarten. Die gesamte Branche hat damit zu kämpfen, dass ein Abo Print kaum weiterhelfen kann. Überall sinken die Zahlen der Abonnenten, von Tageszeitungen bis zu Fachzeitschriften. Positiv zu werten ist aber in jedem Fall, dass Jahreszeiten nicht einfach das Handtuch wirft. Stattdessen suchen die Verantwortlichen aktiv nach möglichen Lösungen für die verzwickte Situation.

Wie geht es weiter mit dem Jahreszeitenverlag?

Beim Blick in die Zukunft ergibt sich noch immer ein düsteres Bild für den Herausgeber von Petra, FürSie und anderen einst enorm erfolgreicher Publikationen. Abo Print scheint dieser Tage schlicht kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr zu sein. Das muss aber nicht zwingend den Untergang bedeuten. Wenn der Verlag sich an den veränderten Markt anpassen kann, bestehen noch immer Chancen für eine Trendwende. Möglicherweise muss der Jalag sich einfach gesundschrumpfen. Auch wenn das Internet den klassischen Printmedien viel Wasser abgegraben hat, so gibt es dennoch noch einen Markt für gedruckte Magazine. Genau auf diesen müssen sich die Verantwortlichen konzentrieren und den verbliebenden Lesern genau das liefern, was diese erwarten. Nicht länger geht es bei Printmedien um Aktualität, denn an dieser Stelle können sie gegen Angebote aus dem Netz nur verlieren. Viel wichtiger ist die redaktionelle Qualität. Gut recherchierte Artikel mit exklusiven Inhalten können ein Argument sein, um so manchen Leser zu einem Abo zu überreden. Im Internet dreht sich die Welt sehr schnell, Artikel müssen vor allem zeitnah entstehen. Printmedien würden gut daran tun, sich davon klar abzugrenzen und mit Alleinstellungsmerkmalen zu punkten.

Bei allen Einsparmaßnahmen bleibt deshalb nur zu hoffen, dass der Jahreszeitenverlag nie die Inhalte aus den Augen verliert. Outsourcing wird langfristig nicht die Wende bringen, wenn dadurch die Qualität der Artikel deutlich abnimmt. Bleibt nur zu hoffen, dass der Jahreszeitenverlag sich in den nächsten Jahren auf einem gesunden Niveau einpendelt, denn eine Einstellung der vertriebenen Hefte wäre ohne Zweifel ein schmerzlicher Verlust für die Medienlandschaft in Deutschland.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild:massimo_g #01:JSB31 #02:massimo_g

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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