Industrieventilatoren: Frische Luft mit Druck

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Lüften, Entstauben, Absaugen – Industrieventilatoren haben vielfältige Einsatzbereiche und sind aus der gesamten Produktion nicht mehr wegzudenken. Unterschieden werden müssen Radial- und Axialventilatoren, die unterschiedliche Funktionsweisen besitzen. Der grundlegende Unterschied liegt aber in der Bauform.

Axial- und Radialventilator: Grundlegend verschiedene Ventilatorarten

Industrieventilatoren sind im Grunde nichts anderes als die kleineren Modelle, die jeder im privaten Bereich zur Belüftung nutzt – und doch in vielen Punkten gänzlich anders als diese. Sie werden zum Belüften eingesetzt – man stelle sich einmal einen Einkaufsmarkt ohne Industriebelüftung vor! Sie dienen aber auch dem Herunterkühlen der Maschinen in der Produktion und sind hier mit den kleinen Ventilatoren vergleichbar, die jeder aus seinem heimischen PC oder Notebook kennt. Der Ventilator schützt die empfindlichen Maschinenteile vor der Überhitzung und damit vor einem Ausfall. Nun gibt es zwei verschiedene Ventilatorarten, die weit verbreitet sind sowie einige Sonderformen:

CPU Kühlung (#1)

CPU Kühlung (#1)

1. Der Axialventilator

Der Axialventilator wird immer dann eingesetzt, wenn eine große Luftmenge benötigt wird. Der Fachmann spricht hierbei von hohen Volumenströmen. Gleichzeitig liegen niedrige Widerstände vor, die bei der Arbeit des Ventilators überwunden werden müssen. Diese werden als Pressungen bezeichnet.

Der Axialventilator lässt sich mit einem Propeller vergleichen, wie ihn jeder von einem Flugzeug kennt. Über die Motorachse wird die Luft eingesaugt, daher auch der Name „axial“. Sie wird ebenso wieder ausgeblasen.

Der Axialventilator eignet sich vor allem für Anwendungen, bei denen nur wenig Platz vorhanden ist, aber punktgenau viel Luft benötigt wird. So finden sich Axialventilatoren vor allem als Wand- oder Fenstermodelle wieder. Sie sind besonders kompakt gebaut und benötigen nicht viel Platz. Außerdem lassen sie sich leicht auf- und abbauen, was letzten Endes eine Kostenersparnis bei der Montage bedeutet.

Axialventilator - Wandmontage (#2)

Axialventilator – Wandmontage (#2)

Ein weiterer Vorteil ist, dass sich der Anlagendruck genau berechnen lässt, was sich dadurch begründet, dass der Axialventilator eine sehr steile Kennlinie aufweist.

Nachteilig ist jedoch die Lautstärke: Je höher die Drehzahlen liegen und umso mehr Druck erzeugt wird, desto mehr nimmt die Luftmenge zu. Desto lauter wird es aber auch – wer einmal in einem Supermarkt mit Deckenventilator einkaufen war, wird sich daran erinnern, wie laut es im Bereich des Ventilators war.

Der Axialventilator wird über die Drosselklappen reguliert, damit verändert sich die Luftmenge. Die Drehzahlen sind aber unverändert hoch, wodurch diese Variante der Regulierung eher unwirtschaftlich ist. Teilweise ist es möglich, die Schaufeln, die sich am Laufrad befinden, zu verstellen. Hier ändert sich der Volumenstrom, die Drehzahl bleibt nahezu konstant. Die beste Variante sind Ventilatoren, bei denen sich die Drehzahl selbst regulieren lässt, was durch entsprechende Motoren umsetzbar ist.

2. Der Radialventilator

Radialventilatoren, wie sie auch bei htk-vent.at (neben verschiedenen anderen Arten von Industrieventilatoren) erhältlich sind, bieten sehr hohe Pressungen. Das heißt, dass hier ein hoher Druck verfügbar ist. Gerade in Lüftungsanlagen kommt diese Art von Industrieventilatoren häufig zum Einsatz, wobei sie zusätzlich mit einem vor- oder nachgeschalteten Filter versehen sind. Auch ein Lufterhitzer kann hier eingebracht werden. Besonders für den Einsatz im Lebensmittelbereich und insbesondere in Einkaufsmärkten sind derartige Lüftungssysteme erste Wahl.

Ventilatoren System (#3)

Ventilatoren System (#3)

Ein Radialventilator lässt sich am ehesten mit einer Trommel vergleichen. Er saugt die Luft an, was über seine Motorachse geschieht. Das Ausblasen erfolgt an anderer Stelle – die Luft strömt um 90° versetzt wieder aus. Allerdings hat diese Art von Ventilatoren einen größeren Platzbedarf, weil die Luftausströmung versetzt ist. Dafür warten derartige Anlagen aber mit einem besseren Wirkungsgrad auf, außerdem sind sie deutlich leiser. Die Umfangsgeschwindigkeiten sind geringer, dies sorgt für eine niedrigere Geräuschentwicklung.

Die Kennlinie ist flacher als beim Axialventilator, dadurch ist das System besser gegen höhere Druckverluste gewappnet. Solche können zum Beispiel durch einen verschmutzten Filter entstehen, was durch den normalen Betrieb des Ventilators schrittweise geschieht.

Der Radialventilator wird über die Drosselklappen geregelt, außerdem können sogenannte Bypassstrecken eingebaut werden. Liegt ein drehzahlgesteuerter Motor vor, kann auch die Drehzahl selbst geändert werden, um das System zu regulieren.

3. Der Tangential- oder Querstromlüfter

Bei dieser Art eines Ventilators handelt es sich nicht um eine eigenständige Art, sondern um eine Bauart des Radialventilators. Die Luft wird über das Laufrad eingesaugt, und zwar in seiner gesamten Breite. An der gegenüberliegenden Seite wird die Luft wieder ausgeblasen. In erster Linie werden diese Ventilatoren in Säulen und Türmen verwendet, auch in kleinen Klimageräten kommen sie vor. Dazu sind Fensterlüfter und Lüftungsgeräte Anwendungsgebiete für den Tangentiallüfter. Der größte Vorteil liegt in dem geringen Platzbedarf, außerdem ist die Geräuschentwicklung überaus gering. Allerdings weist das System auch einen Nachteil auf: Höhere Drücke können nicht überwunden werden.

Auch in kleineren Geräten kommen Industrieventilatoren zum Einsatz (#4)

Auch in kleineren Geräten kommen Industrieventilatoren zum Einsatz (#4)

4. Der Rohr-Radialventilator

Auch dabei handelt es sich um eine Bauart des Radialventilators, bei dem ein hoher verfügbarer Druck mit der Luftführung eines axialen Ventilators kombiniert wird. Der Vorteil liegt in der geraden Lüftungsstrecke, die hier aufgebaut werden kann. Derartige Ventilatoren sind sowohl aus Metall als auch aus Kunststoff erhältlich.

Derzeit stark im Kommen sind Ventilatoren, die eigentlich den Axialventilatoren zuzuordnen sind, die aber halbradiale Laufräder vorweisen. Damit ist die axiale Führung der Luft möglich, gleichzeitig kann jedoch ein höherer Druck genutzt werden.

Vielfältige Aufgaben: Einsatz von Industrieventilatoren

Ein Ventilator wird als Aggregat bezeichnet, welches Luft fördert. Aus dem Alltag sind Stand- oder Deckenventilatoren bekannt, die im Sommer für ein wenig frische Luft zu Hause oder im Büro sorgen. Doch auch in der Industrie oder im Handel sind Ventilatoren vertreten – hier sogar in ganz unterschiedlichen Einsatzbereichen. Ob Axial- oder Radialventilatoren angewendet werden, liegt im geplanten Einsatzzweck.

Die folgenden Einsatzgebiete kommen am häufigsten vor:

Agrar- und Lebensmittelindustrie

Kühlanlagen, Gewächshäuser, Silos oder Mühlen kommen ohne Ventilatoren nicht aus, wobei hier in erster Linie auf Axialventilatoren gesetzt wird. Sie belüften und trocknen, saugen ab und kühlen. Auch zum Heizen kommen Industrieventilatoren zum Einsatz. Neben der Lagerung bzw. Herstellung von Lebensmitteln werden Industrieventilatoren auch für die Tierzucht sowie für die Trocknung von Heu oder Kräutern eingesetzt.

Auch in Gewächshäusern kommen Industrieventilatoren zum Einsatz (#5)

Auch in Gewächshäusern kommen Industrieventilatoren zum Einsatz (#5)

 

Automobilindustrie

Nicht nur die Automobilindustrie, sondern auch die Zulieferbetriebe setzen auf Ventilatoren. Sie werden in Lackieranlagen zur Trocknung, in Waschstraßen oder Produktionsstraßen eingesetzt und sind neben der Trocknung auch für die Reinigung sowie für das Absaugen von Gasen und Dämpfen wichtig. Fast alle Komponenten, die bei der Fahrzeugherstellung produziert werden, werden unter der Arbeit eines Ventilators hergestellt.

Bau- und Rohstoffindustrie

Ob in der Zement- oder Kalkindustrie, in der Glas- oder Bauindustrie: Ventilatoren verschiedener Art werden in jedem Bereich benötigt, um zu fördern und zu trocknen, zu reinigen und abzusaugen. Gerade bei der Herstellung verschiedener Baustoffe wie Beton, bei Formteilen und Einzelkomponenten, bei Schüttgut und Dämmstoffen sind Ventilatoren gefragt.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit von Industrieventilationen ist die Trockenlegung von Räumen während der Bauphase. (#6)

Eine weitere Einsatzmöglichkeit von Industrieventilationen ist die Trockenlegung von Räumen während der Bauphase. (#6)

 

Chemische Industrie und Kunststoffindustrie

Labore und pharmazeutische Einrichtungen, Chemieunternehmen und Hersteller von Verpackungen und Kunststoffteilen setzen auf Ventilatoren verschiedener Art. Bei der Herstellung von Klebstoffen und Granulaten sowie bei der Produktion von Pflegeprodukten müssen Ventilatoren zum Einsatz kommen, die beim Trocknen, Formen, Belüften und Absaugen hilfreich sein. Auch bei der Reinigung von Anlagen und Produktionsstraßen wird auf Radial- und Axialventilatoren gesetzt sowie teilweise auf Sonderformen.

Holzindustrie

Säge- und Hobelwerke benötigen ebenso Ventilatoren wie Bodenhersteller, Tischlereien, Firmen für den Holzhausbau oder Fenster- und Türenhersteller. Gerade bei der Verarbeitung von Holz und Holzkomponenten entsteht viel Staub, der mithilfe von Ventilatoren abgesaugt werden muss. Herstellungsanlagen werden gekühlt und entstaubt, auch beim Fördern und Schleifen werden Ventilatoren für die Industrie verwendet.

Maschinen- und Werkzeugbau

Die Metall verarbeitenden Unternehmen benötigen Industrieventilatoren bei der Materialbearbeitung: Hier werden Maschinen gekühlt, damit der Produktionsprozess ungehindert fortlaufen kann. Auch Werkzeugmaschinen und Fertigungssysteme brauchen Ventilatoren, ebenso werden diese im Bereich der Robotik eingesetzt. Reinigen, trocknen, fördern, absaugen und entstauben sind die Tätigkeiten, die nur mithilfe eines Ventilators oder mehrerer Ventilatoren möglich sind.

Metallindustrie

In Hoch- und Schmelzöfen kommen Ventilatoren ebenso zum Einsatz wie in Walzwerken oder Gießereien. Auch in der Nichteisenmetallurgie setzen die Hersteller auf Ventilatoren, die für das Absaugen und Belüften, für das Reinigen und Fördern sorgen. Egal, ob Guss- oder Pressteile hergestellt werden oder ob es um die Produktion von Schmiedeprodukten geht – Ventilatoren sind immer dabei.

Fazit

Letzten Endes profitieren von dem Einsatz der Ventilatoren nicht nur die Maschinen, die gut gekühlt ihren Dienst versehen. Auch die Mitarbeiter eines Unternehmens kommen ohne Ventilatoren nicht aus, denn die eingesetzten Maschinen erzeugen so viel Wärme, dass ein entspanntes Arbeiten hier nicht möglich wäre.

Ohne Industrieventilatoren gäme es keine gekühlten Lebensmittel und somit keine glücklichen Kunden (#7)

Ohne Industrieventilatoren gäbe es keine gekühlten Lebensmittel und somit keine glücklichen Kunden (#7)

Darüber hinaus sind Ventilatoren vor allem im Bereich des Verkaufs von Lebensmitteln unverzichtbar. Ausgestellte Lebensmittel wie Obst und Gemüse müssen kühl gelagert werden, damit sie über die Dauer ihrer Auslage ihre Qualität behalten. Zudem tragen die Ventilatoren hier zu einem guten Klima bei – Gerüche und Ausdünstungen verschiedener Lebensmittel werden abgesaugt und sorgen dafür, dass das Einkaufen entspannt möglich ist. Ansonsten würden sich wohl viele Kunden über das Wirrwarr an Gerüchen beschweren, das aus Obst und Gemüse, Fleisch und Wurst, Käse und Brot stammt und sich zu einem Potpourri an Düften verbindet.


Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild STUDIOMAX, -#1 vetkit, -#2 igorstevanovic_42, -#3 PhotoHouse, -#4 Andrey_Popov, -#5 ntdanai, -#6 P.S_2, -#7 Adisa

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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