Einzelhandel: gibt es schlechte Standorte?

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Die Standorte für den Einzelhandel und gewerbliche Unternehmen generell werden in Kategorien eingeteilt. Dabei sind B- und C-Standorte meist weniger beliebt. Doch nun zeigt sich, dass diese durchaus lukrativ und interessant sein können. Lübeck oder Wiesbaden gehören nicht zu den Wirtschaftsmetropolen, sind für den Einzelhandel aber schon seit geraumer Zeit wichtig.

A-Standort als Garantie?

Wer sein Unternehmen an einem A-Standort ansiedelt, hat sicherlich gute Chancen auf Erfolg. Doch eine Garantie gibt es nicht und im Jahr 2015 zeigte sich, dass für die bisher besten sieben Städte nur noch 22 Prozent übrig blieben, wenn das Transaktionsvolumen betrachtet wurde, welches im Einzelhandel relevant war. Weitaus besser schnitten hier die B- und C-Standorte ab, die mit einem Transaktionsvolumen von etwa 366 Millionen Euro mehr als dreimal so hoch lagen. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass das keine Ausnahme ist, sondern dass die bisher eher wenig bedachten Standorte durchaus lukrativ sind. Zwischen 2010 und 2015 stieg das Transaktionsvolumen bei den A-Standorten um mehr als 60 Prozent. Einberechnet wurden hier nur die größten sieben Städte Deutschlands. Geht es um die B-Standorte, so sind dort Städte mit 300.000 bis 600.000 Einwohnern gemeint, C-Standorte müssen mindestens 100.000 Einwohner haben. Die Anfragen von Investoren können in den A-Standorten aber häufig nicht mehr bedient werden, außerdem sind Möglichkeiten zur Finanzierung nicht besonders günstig, weil das Zinstief immer noch nicht überstanden ist. Investoren wandern daher lieber in die B- und C-Standorte ab.

Investitionen in dicht besiedelten Gebieten

Bei einer genauen Betrachtung zeigt sich, dass vor allem die dicht besiedelten Gebiete gut abschneiden, so zum Beispiel das Ruhrgebiet. Die Bereitschaft zu Investitionen ist hier sehr hoch. Bremen, Bochum, Hanau, Hürth oder Krefeld schneiden hier sehr gut ab.

In vielen Städten gibt es Großtransaktionen, die weitere Investitionen nach sich ziehen. Davon abgesehen gibt es aber mit Lübeck und Wiesbaden auch Städte, die ohne solche Großtransaktionen auskommen und dennoch ein beachtlichen Transaktionsvolumen erreichen könnten. Hier war die Zahl der Transaktionen einfach größer.

B- und C-Standorte stellen an Investoren nicht selten deutlich höhere Anforderungen als A-Standorte. Die Konkurrenz darf nicht zu groß sein, es geht um exponierte Lagen und Exklusivität.

Es zeigt sich, dass internationale Investoren ohnehin lieber an die B- und C-Standorte gehen und diesen den Vorrang geben. Diese richten ihren Blick sogar zunehmend in diese Richtung und geben der vermeintlichen zweiten Riege den Vorzug. Je weiter es aber von den Metropolen in Richtung C-Standort weg geht, desto weniger wichtig ist die Transaktionstätigkeit im Hinblick auf die Ankaufsrendite. Eine hohe Einwohnerzahl bedeutet starke Renditen – diese sind aber im Zuge der Konzentration auf B- und C-Standorte ständig gesunken.


Bildnachweis: © Fotolia – zhu difeng

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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