Die Textilindustrie boomt: Aber es herrscht ein Fachkräftemangel

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Wie auch in vielen anderen Branchen leidet die deutsche Textilindustrie akut unter einem Fachkräftemangel. Der Grund dafür ist vor allem der Boom der vergangenen Jahre. Die DIY-Welle hat dafür gesorgt, dass Stoffe aller Art in einer großen Nachfrage stehen. Auf Billigqualität aus Asien wird dabei gern verzichtet.

Nähen, basteln, selber machen: Textilien stehen hoch im Kurs

Spätestens seit Verkaufsplattformen wie DaWanda den Weg aus der Nische und in den konkurrenzfähigen Markt geschafft haben, ist die Welt im DIY-Fieber. Wir basteln, nähen und kreieren, was das Zeug hält.

Kaum ein Bereich, der nicht mit Angeboten übersät ist:

  • Kleidung
  • Accessoires
  • Spielzeug
  • Dekoration

Eines haben die mit viel Liebe gefertigten Stücke dabei oft gemeinsam: Sie benötigen einen schönen Stoff, um so richtig in Szene gesetzt zu werden. Spezialisierte Stoffanbieter wie Traumbeere.de bieten dafür ein abwechslungsreiches Sortiment, das auf den DIY-Markt zugeschnitten ist.

Denn um sich von der breiten Masse der Selbstmacher abzuheben, ist vor allem eine gute Qualität wichtig. Billige und dünne Polyesterstoffe mit schiefen Mustern sind hier nicht erwünscht. Dies hat kräftig dazu beigetragen, dass heute die Nachfrage für Qualitätsstoffe Made in Germany steigt.

Spätestens seit Verkaufsplattformen wie DaWanda den Weg aus der Nische und in den konkurrenzfähigen Markt geschafft haben, ist die Welt im DIY-Fieber. (#01)

Spätestens seit Verkaufsplattformen wie DaWanda den Weg aus der Nische und in den konkurrenzfähigen Markt geschafft haben, ist die Welt im DIY-Fieber. (#01)

Die europäische Textilindustrie nimmt es mit dem asiatischen Markt auf

Für viele Jahrhunderte stammten hochwertige Stoffe aus dem Mittleren Osten und wurden in weiten Teilen Südeuropas produziert. Italien war lange Zeit ein massiver Textilexporteur. Mit der wachsenden Nachfrage für günstige Kleidung hat sich dies jedoch seit Ende der 80er Jahre stark verlagert. Denn teure und exquisite Stoffe waren nicht mehr im großen Maße gefragt. Billig, schnell und ohne einen großen Aufwand sollten die Textilien hergestellt werden. Asien konnte dank Billigarbeit und geringen Regulierungen den Weltmarkt beliefern.

Die einheimische Textilindustrie hat dies stark zu spüren bekommen. Einstige globale Größen mussten Stellen streichen und sogar ganze Fabriken schließen. Der Textilhandel in Europa schien tot.

Doch zur Jahrtausendwende kam Schwung auf den europäischen Markt. Damals begann langsam aber sicher ein Umdenken mit Blick auf den Kleiderkauf. Immer mehr Verbraucher legten einen großen Wert auf Kleidung, die qualitativ überzeugen kann. So wurden Öko-Textilien ein Trend, der nicht aus Asien bedient wurde. Die DIY-Welle war dann der letzte Stoß, um eine angeschlagene Branche mit einem neuen Leben einzuhauchen.

Der Textilindustrie fehlt es an Nachwuchs

Die Branche ist komplex und vielschichtig. Es gibt auf allen Ausbildungsebenen und für jedes Interesse eine passende Position zu besetzen. Vom Textildesigner bis hin zum Metallarbeiter in der Fabrik, das Angebot ist umfangreich. Die schlechten Jobaussichten der vergangenen Jahrzehnte haben nun aber einen akuten Nachwuchsmangel verursacht. Und wo sich einige Bereiche gut mit Quereinsteigern füllen lassen, müssen andere auf Hilfe aus dem Ausland zurückgreifen.

Bevor es überhaupt möglich ist, die begehrten Stoffe herzustellen, muss das Design geschaffen werden. Und dabei geht es nicht nur darum, ein schönes Muster zu kreieren. Die Aufgaben eines Textildesigners sind sehr komplex.

Es gibt viele Ebenen, die adressiert werden müssen:

  • Wo soll der Stoff zum Einsatz kommen?
  • Welches Material ist das Beste?
  • Welche Qualität soll das Produkt haben?

Das Design selber muss auf den gewünschten Markt zugeschnitten sein. Dekorative Stoffe haben andere Farben, Motive und Muster als Stoffe für die Kleiderfertigung.

Trotz der hohen Komplexität des Textildesigns ist es möglich, die Stellen mit Quereinsteigern aus anderen Design-Bereichen zu füllen. Das notwendige Know-how zur Stofferstellung wird oft durch ein Inhousetraining an die neuen Mitarbeiter weitergegeben. Nicht ganz so leicht ist es mit hoch spezialisierten Arbeitsbereichen wie den Maschinenbauern, die ihren Fokus auf innovative Produktionsstätten für die Textilindustrie legen.

Wie auch in vielen anderen Branchen leidet die deutsche Textilindustrie akut unter einem Fachkräftemangel. (#01)

Wie auch in vielen anderen Branchen leidet die deutsche Textilindustrie akut unter einem Fachkräftemangel. (#01)

Die Ausbildungen in der Textilbranche

Aber nicht nur Hochschulstudenten sind in der Textilindustrie gefragt. Vom Werksmechaniker bis hin zum Textildrucker, es gibt unzählige Stellen zu besetzen.

So kann man in der Ausbildung zum Produktveredler in der Textilbranche Fuß fassen. Der Produktveredler arbeitet mit Textilien aller Art und gibt diesen sozusagen das Tüpfelchen auf dem i. Während der dualen Ausbildung wird das Anmischen von Farblösungen und der Druckerpaste ebenso erlernt wie die unterschiedlichen Zusammensetzungen von Beschichtungsmitteln. Diese Kreationen werden nach dem Anmischen mit speziellen Maschinen auf die Textilien aufgetragen, um diese hochwertig zu veredeln. Der Job ist in vielen Bereichen herausfordernd – so ist ein gutes Grundverständnis der Chemie ebenso notwendig wie ein Auge für das Detail.

Textillaboranten sind in der Qualitätskontrolle gefragt. Sie wenden die neusten und natürlich alt bekannten Testmethoden an, um jeden Stoff auf seine Qualität zu überprüfen. Stoffe werden darüber hinaus auf Schadstoffbelastungen oder generelle chemische Verunreinigungen überprüft. Auch dieses Berufsbild lässt sich in einer dreijährigen, dualen Berufsausbildung erlernen.

Nicht nur die handwerkliche und technische Seite der Textilbranche ist unterbesetzt. Textilbetriebswirte befassen sich mit den wirtschaftlichen Faktoren der Branche:

  • Kalkulation
  • Einkauf
  • Akquise
  • Marktüberwachung

Der Textilbetriebswirt kann über eine Weiterbildung erworben werden. Dies macht den Bereich für Quereinsteiger sehr interessant. Wichtig ist hier, dass man Lust und Spaß an Marketingaufgaben hat und in der Lage ist, sich auch mathematischen Herausforderungen zu stellen. Es gibt auch eine Reihe von allgemeinen Ausbildungen wie die zum Textilreiniger zu entdecken. Insbesondere in diesem Segment setzen die deutschen Textilbetriebe häufig aus Arbeiter aus dem europäischen Ausland.

Textilgestalter können sich im Rahmen der Ausbildung auf eine Reihe von Handwerksmethoden spezialisieren zB. stricken (#03)

Textilgestalter können sich im Rahmen der Ausbildung auf eine Reihe von Handwerksmethoden spezialisieren zB. stricken (#03)

Textilgestalter im Handwerk mit einer Fachausrichtung

Deutlich wird der Fachkräftemangel in Bereichen, die eine hoch spezialisierte Ausbildung erfordern. Textilgestalter können sich im Rahmen der Ausbildung auf eine Reihe von Handwerksmethoden spezialisieren:

  • Stricken
  • Posamentieren
  • Klöppeln und viele mehr

Diese sehr speziellen Bereiche sind unter anderem in der High-End-Produktion sehr gefragt. Das benötigte Know-how für die Kreation von ausgefallenen und einzigartigen Stoffen kann hier in vielen Formen eingebracht werden. Von digitalen Vorlagen, über Designerstellungen bis hin zur Qualitätskontrolle, Fachkräfte werden produktionsübergreifend eingebunden.

Die Textilindustrie wird aktiv

Heute ist es aber nicht mehr nur die Angst vor der Arbeitslosigkeit, die zu einem ernst zu nehmenden Fachkraftmangel in der Textilbranche führt. Viele Ausbildungsberufe sind Schulabgängern schlichtweg nicht bekannt.

Außerhalb von den Industriegebieten, die sich auf Textil spezialisiert haben, sind Angebote wie der Werksmechaniker mit Schwerpunkt Textil kein oft gesehener Beruf. Umso wichtiger ist es daher, dass die Branche auch über die Hotspots hinaus aktiv wird. Auf Ausbildungsmessen und Weiterbildungsveranstaltungen sind zunehmend Vertreter der Branche zu sehen. Auch werden im Jobcenter zunehmen die Zukunftsoptionen der Textilindustrie vorgestellt. Allen voran die klassischen dualen Ausbildungen.

Info

Auch in der Textilindustrie gibt es leichte Unterschiede für die Ausbildungsinhalte zwischen den einzelnen Bundesländern. Die durch die Handelskammer anerkannten Berufsausbildungen sind allerdings bundesweit ausübbar. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre und kann auf 24 Monate verkürzt werden.

Auch an Hochschulen sind die Industriesprecher immer stärker vertreten. Sowohl Bachelor- als auch Master-Studiengänge werden auf einer Vielzahl von Kanälen aktiv beworben.

Was auch immer der Grund für das Wachstum der deutschen und europäischen Textilindustrie ist, es gibt jede Menge Jobmöglichkeiten für Schulabgänger und Quereinsteiger zu entdecken. (#04)

Was auch immer der Grund für das Wachstum der deutschen und europäischen Textilindustrie ist, es gibt jede Menge Jobmöglichkeiten für Schulabgänger und Quereinsteiger zu entdecken. (#04)

Fazit: Die Textilindustrie hat Zukunft zu bieten

Was auch immer der Grund für das Wachstum der deutschen und europäischen Textilindustrie ist, es gibt jede Menge Jobmöglichkeiten für Schulabgänger und Quereinsteiger zu entdecken. Viele der zu besetzenden Positionen versprechen aktuell gute Aufstiegsmöglichkeiten. Denn der Mangel an Fachkräften zwingt die Firmen dazu, das mittlere wie gehobene Management aus den eigenen Reihen zu besetzen. Hochwertige Weiterbildungen sind ein fester Bestandteil der Branche.

Viele der handwerklichen Aufgaben lassen sich noch nicht durch Maschinen erledigen. Ein weiterer Vorteil der Branche. Denn wo ein handwerkliches Können benötigt wird, ist eine gute Jobsicherheit gegeben. Die Textilbranche ist in Deutschland in einer guten Position, um Arbeitsplätze mit einer Nachhaltigkeit zu schaffen – ideal für Jung und Alt.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild:  Halfpoint  -#01: MR. Nattanon Kanchak  -#02: riopatuca- #03: Tigrushka -#04: AdaCo

Über 

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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